Smartphone-Chats

Telegram: Wie sicher ist der Messenger wirklich?

Verschlüsselt und alle Chats jederzeit verfügbar, damit wirbt der Messenger Telegram. Doch die Datenschutzbedenken werden größer und eine sichere und quelloffene Alternative steht mit Signal bereit.

Christoph Liedtke, 26.11.2020, 13:48 Uhr (Quelle: DPA)
Telegram Messenger LogoRiesige Gruppenchats stehen schwacher Sicherheit gegenüber: der Messenger Telegram.© Telegram LLC

Telegram sei in Hinsicht auf die Privatsphäre seiner Nutzerinnen und Nutzer eine Katastrophe. Zu diesem ernüchternden Fazit gelangt das Fachportal "Heise Security" nach einem Test des Messengers. Die App liefere alles, was man tippt, in Echtzeit an Telegram-Server - und nicht erst dann, wenn man die Nachricht abschickt.

Alle Chats liegen auf Telegram-Servern

Der Server habe sogar Zugriff auf eine komplette Kopie aller Chats, so die Experten. Dabei sollten Unterhaltungen eigentlich exklusiv auf dem Mobilgerät der Nutzerin oder des Nutzers lagern. Das Problem: Was der Anbieter mit den Daten macht, außer sie an das Mobilgerät ihrer Besitzerin oder ihres Besitzers zu senden, bleibt im Dunkeln. Das mache sogar WhatsApp besser.

Der Hersteller speichert die Chats auf seinen Servern, um sie seinen Nutzern auch auf weiteren Endgeräten wie Tablets, Desktop-Clients oder per Web-Interface Verfügbar zu machen. Das ist zwar komfortabel, aber hinterlässt einen faden Beigeschmack.

Gut versteckte "geheime Chats"

Zwar gebe es als Telegram-Funktion "geheime Chats", die durch das Mitlesen von Dritten gesichert sind. Das Feature sei aber so gut versteckt, dass es selbst Telegram-Nutzer oftmals nicht kennen würden und zudem Einschränkungen unterworfen. Es funktioniert nicht für Gruppen und immer nur auf einem Gerät.

Auch hier seien andere Messenger besser aufgestellt. Signal etwa, oder auch WhatsApp, das die Verschlüsselungstechnologie von Signal nutzt. Bei diesen beiden Messengern gibt es keine zentralen Chat-Datenbanken. Die Nachrichten werden so verschlüsselt, dass nur der echte Empfänger sie öffnen und lesen kann (Ende-zu-Ende-Verschlüsselung).

Die Chats sind dabei ausschließlich lokal auf den Endgeräten der Nutzer gespeichert und nicht auf Serverfarmen der Messenger-Entwickler.

Davon abgesehen sei das zu Facebook gehörende WhatsApp aber Closed-Source-Software. Was genau drin steckt, etwa mögliche Hintertüren, wisse niemand. Außerdem werde WhatsApp Stück für Stück weiter in den Konzern integriert, der "mit der exzessiven Nutzung der Daten seiner Nutzer Milliarden verdient". Anfallende Metadaten wertet Facebook zudem aus.

Signal als sichere Open-Source-Alternative zu Telegram und WhatsApp

Als sichere Messenger-Alternative mit guter Verschlüsselung empfehlen die Experten Signal, bei dem es sich ausnahmslos um Open-Source-Software handelt, also um ein quelloffenes Programm. Es lasse sich also jederzeit überprüfen, was dort hinter den Kulissen geschieht.

Zudem werde die Signal-Infrastruktur von einer gemeinnützigen Stiftung betrieben, die sich dem Datenschutz verschrieben hat und sich vollständig aus Spenden finanziert. So bestehe auch kein finanzielles Interesse an den Daten der Anwenderinnen und Anwender.

Hinter Telegram stehe dagegen ein undurchsichtiges Firmen-Konstrukt, über dessen Motive so gut wie nichts bekannt sei.

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