Verteidigung gegen Kritik

Telekom-Chef: Kostenlose Entwicklung der Corona-App war nicht möglich

Hätte die Telekom die Corona-Warn-App gratis entwickeln und auf Millionenkosten verzichten sollen? Telekom-Chef Höttges wehrt sich gegen Kritik. Außerdem betont er, dass die App in nur 50 Tagen extrem schnell entwickelt worden sei.

Jörg Schamberg, 19.06.2020, 13:18 Uhr (Quelle: DPA)
Timotheus HöttgesTelekom-Chef Höttges hat auf Kritik an den hohen Kosten für die Entwicklung der App reagiert.© Deutsche Telekom AG

Eine kostenlose Entwicklung der Corona-Warn-App durch die Deutsche Telekom und SAP ist nach Aussage von Telekom-Chef Tim Höttges kein Thema gewesen. "Die Telekom will sich an der Krise keinesfalls bereichern", sagte Höttges auf eine Frage von Aktionären während der virtuellen Hauptversammlung des Unternehmens am Freitag. Man könne es sich aber auch nicht leisten, Geld damit zu verlieren. Höttges reagierte damit auf die Kritik an den Kosten in Millionenhöhe, die vor allem von den Linken im Bundestag vorgetragen worden war. Insbesondere die beiden Telefon-Hotlines waren als zu teuer und überdimensioniert kritisiert worden.

Höttges: App wurde extrem schnell entwickelt

Rund 100 Mitarbeiter der Telekom hätten aus anderen Teams abgezogen und neu strukturiert werden müssen, um die App kurzfristig gemeinsam mit SAP entwickeln zu können. Dies sei in 50 Tagen gelungen. "Das ist extrem schnell", sagte Höttges mit Blick auf den Vorwurf von Verzögerungen. Der Bund habe sich erst Ende April für die dezentrale Open-Source-Lösung entschieden und mehrfach betont, das aufgewendete Geld sei gut investiert.

Die Bundesregierung erhofft sich von der seit Dienstag verfügbaren Corona-Warn-App ein weiteres, effektives Instrument zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Nutzer sollen mithilfe der App gewarnt werden, wenn sie sich länger in der Nähe von Corona-Infizierten aufgehalten haben. Die Corona-Warn-App des Bundes wird von immer mehr Menschen in Deutschland verwendet. Am Freitagvormittag lag die Zahl der Installationen bei 9,6 Millionen. Das teilte das Robert Koch-Institut (RKI) auf Twitter mit. Digitalstaatsministerin Dorothee Bär (CSU) rief die Bevölkerung auf, die Nutzung weiter auszudehnen. "Bitte weitermachen!", schreib sie auf Twitter.

Gesamtkosten für die App inklusive Betrieb liegen bei über 60 Millionen Euro

Als Kosten für die App-Entwicklung waren von der Bundesregierung bereits rund 20 Millionen Euro genannt worden. Außerdem wurden nach dem Start weitere laufende Kosten bekannt. Für Wartung, Pflege und Betrieb der App und anderer Komponenten veranschlagt der Bund in diesem und im kommenden Jahr rund 45 Millionen Euro.

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