Netzausbau

Telekom: Lückenloses Handynetz entlang der DB-Schienenstrecken bis 2026

Die Mobilfunkversorgung entlang der Schienenstrecken der Deutschen Bahn soll in den kommenden Jahren deutlich verbessert werden. Die Telekom will laut einer Vereinbarung mit der Bahn bis 2026 ein flächendeckendes Handynetz anbieten.

Jörg Schamberg, 23.06.2021, 13:37 Uhr
verreisen© Vargas / Fotolia.com

Die Deutsche Bahn und die Deutsche Telekom wollen gemeinsam die Mobilfunkversorgung entlang der Schienen in Deutschland deutlich verbessern. Beide Unternehmen planen bis spätestens 2026 ein lückenloses Handynetz für Bahnreisende. Fahrgäste sollen dann im Telekom-Netz auf allen Strecken, sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr, ohne Unterbrechung telefonieren und surfen können. Zudem soll die Qualität und Leistungsfähigkeit des Mobilfunknetzes steigen.

Gemeinsame Millioneninvestitionen zur Verbesserung des Mobilfunkempfangs

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Telekom ihr Mobilfunknetz an den DB-Schienenstrecken schnellstmöglich ausbaue und vorhandene Lücken schließt. Beide Unternehmen wollen einen dreistelligen Millionenbetrag in den Netzausbau investieren.

Telekom-Konzernchef Timotheus Höttges will das Projekt "Schwarzer Schäferhund" starten. Es dürfe entlang der Schienen keinen 'Dalmatiner' mit weißen Flecken mehr geben. Jedes Funkloch, das es gebe, sei ein Funkloch zu viel, so der Telekom-Chef bei einer gemeinsamen Presseveranstaltung mit Bahn-Chef Dr. Richard Lutz und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer im Berliner Hauptbahnhof. Einen Schub verspricht sich Höttges durch die TKG-Novelle, die den Ausbau beschleunigen könne. In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme beim Netzausbau wegen Fragen des Naturschutzes, Denkmalschutzes und wegen Skepsis vor Ort bei den Kommunen.

Scheuer: Mobiles Surfen und Telefonieren muss überall möglich sein

"Heute ist ein großer Tag für die starke Schiene", freute sich Deutsche Bahn-Chef Lutz. Bahnfahren werde nochmals attraktiver. Es habe bei allen Partnern ein Umdenken stattgefunden. Und Bundesverkehrsminister Scheuer ergänzt: "Ob am Bahnhof oder im Tunnel, im ICE oder im Regionalexpress – die Zeit des 'ich hab kein Netz' muss ein Ende haben. Mobiles Surfen und Telefonieren müssen immer und überall möglich sein."

200 Mbit/s auf ICE-Strecken

Was ist konkret geplant für das rund 33.400 Kilometer umfassende Streckennetz der Deutschen Bahn? Die 7.800 Kilometer Hauptverkehrstrecken, auf denen die ICE- und die wichtigsten IC-Züge, sollen bis Ende 2024 von der Telekom mit einer Datenrate von mehr als 200 Mbit/s versorgt werden. Bis Ende 2025 will die Telekom ebenfalls Datenraten von mehr als 200 Mbit/s auf weiteren 13.800 Kilometern fahrgaststarker Strecken realisieren, auf denen pro Tag mehr als 2.000 Fahrgäste unterwegs seien.

Die sonstigen Strecken will die Telekom bis Ende 2026 mit einer Datenrate von mehr als 100 Mbit/s versorgen. Auf einigen Regionalstrecken sollen Fahrgäste erstmals Mobilfunkempfang haben. Laut Telekom-Chef Höttges müssten noch 220 Tunnel in Deutschland mit Mobilfunk versorgen werden. Entlang der ICE-Strecken fehlen nur noch wenige Standorte. Von 6.000 ICE-Kilometern seien mit auf 22 Kilometer alle mit Mobilfunk versorgt. Seit 2015 habe die Telekom rund 700 Millionen Euro investiert und mache jetzt die Milliarde voll.

Viele neue Mobilfunkstandorte benötigt

Erforderlich sei in den kommenden Jahren die Inbetriebnahme von rund 800 neuen LTE-Mobilfunkstandorten. 200 Standorte müssten neu gebaut werden, weitere 600 Standorte werden zusammen mit Wettbewerbern genutzt. Bei 700 bestehenden Standorten werde zusätzliches Funkspektrum aufgebaut. Man werde bei der Vereinbarung mit der Bahn deutlich über das hinausgehen, was die Versorgungsauflagen der Bundesnetzagentur vorsehen. Telekom-Chef Höttges will erreichen, dass der Bonner Konzern künftig unter den Top-3-Netzbetreibern in Europa zu finden ist. Bislang scheitere dies vor allem auch wegen der noch ausbaufähigen Mobilfunkversorgung entlang der Schienen. Netzbetreiber in Österreich und der Schweiz seien hier bereits deutlich weiter. Die Telekom wolle sich auch von ihren Wettbewerbern in Deutschland weiter absetzen.

Die Deutsche Bahn will verstärkt Flächen und Glasfaserinfrastruktur entlang der Schienen zur Verfügung stellen. Außerdem sorge die Bahn dafür, dass Mobilfunksignale besser in den Innenraum der Züge komme. Die Deutsche Bahn werde Züge sowohl mit neuen Repeatern ausstatten als auch künftig Hochgeschwindigkeitszüge mit speziellen Scheiben ausstatten, die Mobilfunksignale nicht beeinträchtigen. Der sogenannte Zugfunk GSM-R, der Interferenzen verursache, soll bis Ende 2022 abgeschaltet werden. Auch mit anderen Netzbetreibern in Deutschland werde nach Lösungen für einen besseren Mobilfunkempfang gesucht. So laufen beispielsweise Gespräche mit Telefónica Deutschland. Laut der Nachrichtenagentur dpa will Vodafone bis 2024 Mobilfunkstationen für alle Tunnel des gesamten Schienennetzes bauen und 360 Funklöcher entlang der Bahnstrecken schließen. Außerdem werde an 6.000 Mobilfunkstrecken entlang des Bahnnetzes die Netz-Kapazität erhöht.

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