Kleingedrucktes

Trotz Internetflat Rechnung über 7.742 Euro

Ganze 7.742,40 Euro sollte eine Mobilfunkkundin für Internetverbindungen zahlen - und das, obwohl sie eine Flatrate gebucht hatte. Der Hinweis darauf, dass das Internet nur über einen bestimmten Zugangspunkt kostenlos genutzt werden kann, war ihr entgangen.

Smartphone Email© pizuttipics / Fotolia.com

Berlin (red) - Die Frau war Kundin bei EWE Tel und hatte einen Tarif im Vodafone-Netz gebucht. Dazu bestellte sie die "VF live! Internet Flat" zum monatlichen Preis von 9,95 Euro, ein gängiger Betrag für eine Internet-Flatrate.

Kundin schaltet nach Schockrechnung Anwalt ein

Dann verlangte EWE Tel auf der Handyrechnung jedoch knapp 6.300 Euro und später noch einmal über 1.800 Euro. Nachdem die Kundin sich an einen Anwalt gewandt hatte, wurde ihr über einen Großteil der Kosten eine Gutschrift erteilt, 380 Euro wollte der Anbieter aber dennoch haben. Die Kundin weigerte sich, daraufhin ging die Angelegenheit vor Gericht. Hier wollte der Mobilfunker, der zwischenzeitlich den Vertrag gekündigt hatte, inklusive Schadenersatz 926,49 Euro von der Kundin eintreiben. Nachdem geklärt war, wie der hohe Betrag an Internetkosten entstanden war, gab das Gericht der Kundin Recht.

Zwei verschiedene Zugangspunkte

Diese hatte sich über den Zugangspunkt "web.vodafone.de" ins Internet eingewählt, während im Tarif lediglich der Zugang über "wap.vodafone.de" kostenlos enthalten war. Dieser Zugang erlaubt das Surfen im Vodafone-internen WAP-Netz, nicht aber das normale Surfen im Internet, wie es ein Smartphone-Nutzer erwarten würde. Der Hinweis darauf, dass der Internetzugang derart stark eingeschränkt ist, findet sich im Infodokument Nr. 512 in der zweiten Fußnote auf der fünften Seite. Dort heißt es: "Die Vodafone live! InternetFlat gilt nur für das Surfen im deutschen Vodafone-Netz auf http-basierten Internet-Seiten und nur für von Vodafone zertifizierte Clients jeweils über den APN wap.vodafone.de."

Wie genau muss ein Kunde sich informieren?

EWE argumentierte vor Gericht, jeder Kunde wisse, dass es verschiedene Systeme gebe und man das Handy richtig einstellen müsse. Der auf Verbraucherrecht spezialisierte Rechtsanwalt Thomas Hollweck jedoch überzeugte das Gericht davon, dass ein normaler Nutzer dies nicht vermute und davon ausgehe, dass mit einer Internet-Flatrate das gesamte Internet abgedeckt sei. Der Anbieter hätte explizit darauf hinweisen müssen, dass bei der Internetnutzung über "web.vodafone.de" weitere Kosten entstehen, so das Urteil. Da die Kündigung nicht wirksam gewesen sei, gebe es auch keinen Grund für Schadenersatz an den Anbieter.

www.kanzlei-hollweck.de
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