Nachgefragt

Umfrage: So urteilen Ärzte über Gesundheits-Apps

Gesundheits-Apps messen Puls, Gewicht und vieles mehr. Nutzer der Programme versprechen sich durch sie einen positiven medizinischen Effekt. Die meisten Ärzte allerdings sind einer Umfrage zufolge von vielen Apps nicht ganz überzeugt.

WearablesBei den Gesundheits-Apps sind viele Ärzte der Meinung, dass nur einige Programm wirklich einen Nutzen für den Patienten haben.© vadymvdrobot / Fotolia.com

Hamburg - Ob Handy, Tablet oder Smartwatch: Die Zahl der verfügbaren Gesundheits-Apps steigt rasant. Doch Ärzte raten zur Vorsicht, so das Ergebnis einer Umfrage des Ärztenachrichtendienstes in Hamburg. Auf dem Markt tummeln sich den befragten Ärzten zufolge inzwischen diverse fragwürdige Programme - und viele Nutzer blenden das Thema Datensicherheit völlig aus. Auch sind die meisten befragten Mediziner überzeugt: Eine Überprüfung oder Zertifizierung der Apps durch Ärzte ist überfällig.

Viele Ärzte befassen sich mit Gesundheits-Apps

97 Prozent der befragten Ärzte zeigte sich überzeugt, dass die Anzahl an Gesundheits-Apps weiter zunehmen wird. Jeder zweite Arzt gab an, dass er sich mit dem Thema schon auseinandergesetzt und sich die eine oder andere App angeschaut habe. Im Arzt-Patienten-Gespräch kommt das Thema offenbar auch immer häufiger hoch: Fast die Hälfte der Ärzte (46 Prozent) sind von Patienten schon einmal mit Gesundheitsdaten konfrontiert worden, die auf einem Smartphone gespeicherten waren.

Nur wenige Programme überzeugen die Ärzte

Die Frage, ob Apps den Patienten auch sinnvolle Informationen über medizinische Sachverhalte oder eine gesundheitsfördernde Lebensweise bieten können, beantworteten 18 Prozent der Ärzte mit einem eindeutigen "Nein". Die große Mehrheit sieht dies positiver: 62 Prozent der Mediziner sind überzeugt, dass immerhin "einige wenige" gute Programme für Patienten hilfreiche Informationen liefern können. Allerdings sind sie auch der Überzeugung, dass viel Unsinn auf dem Markt ist. Von "sehr vielen" hilfreichen Apps auf dem Markt sprechen nur 20 Prozent der Ärzte.

Nützliche Patienteninformation oder Spielerei?

Skepsis klingt auch bei der Frage nach medizinischen Messwerten durch, die von den Apps erhoben und ausgewertet werden können. Ob Daten über den Kreislauf, Gewicht oder Blutzuckerwerte: Fast jeder dritte Arzt (31 Prozent) hält diese Funktionen für Spielereien ohne großen Nutzen - aber auch ohne große Gefahren. 24 Prozent warnen dagegen: Solche medizinischen Daten könnten den Nutzer ohne ärztliche Interpretation eher verwirren, als dass sie ihm irgendwie helfen. Immerhin 45 Prozent der Ärzte betrachten diese Entwicklung entspannt: Prinzipiell böten die Apps hilfreiche oder lehrreiche Informationen.

Erleichtern die mit Smartphone, Tablet oder Spezialuhr gesammelten Daten dem Arzt in der Praxis also die Arbeit? Offenbar nur in seltenen Fällen: Lediglich 30 Prozent der Umfrageteilnehmer sprechen von einer Erleichterung im Behandlungsalltag.

Was sagen die Mediziner zum Thema Datenschutz?

Sorgen machen sich die Ärzte auch beim Thema Datenschutz: Nur vier Prozent der befragten Ärzte glauben, dass sich die Nutzer der Apps voll über die Risiken im Klaren sind. Der Rest warnt: Patienten sollten bei den Apps genau schauen, welche persönlichen Daten von wem wo gespeichert und ausgewertet werden. 43 Prozent prophezeien sogar eine extrem gefährliche Entwicklung. Ihrer Meinung nach blenden viele Nutzer von Gesundheits-Apps das Thema Datensicherheit völlig aus - mit unüberschaubaren Folgen.

Angesichts der Tatsache, dass fast täglich neue - und völlig ungeprüfte - Gesundheits-Apps auf den Markt kommen, hält die Mehrheit eine Überprüfung oder Zertifizierung durch Ärzte für geboten: 37 Prozent der Ärzte sprechen sich gar für eine verpflichtende Kontrolle von Gesundheits- und Medizin-Apps aus, bevor sie in Deutschland angeboten werden dürfen.

Top