Weiße Flecken

Verivox: Darum gibt es noch so viele Funklöcher

Will man Funklöcher beseitigen, muss man einen Standort finden und den Mast genehmigt bekommen - hier hakt es oftmals und die Verfahren dauern lange. Laut Verivox tragen auch Altlasten dazu bei, dass das Netz nicht schneller ausgebaut wird.

Mobilfunkmast© Howard Sandler / Fotolia.com

Schleppende Genehmigungsverfahren sowie eine komplizierte Standortsuche sind laut Verivox die Hauptursachen für weiße Flecken auf der Mobilfunk-Landkarte. Derzeit dauern diese Verfahren nicht selten zwei Jahre – pro Mast. Typische Hürden seien Bedenken von Anwohnern, aber auch von Naturschutzbehörden oder Denkmalschutzämtern. Bisweilen erschwere auch eine komplizierte Topografie die Standortsuche.

Neue Standorte und schnellere Genehmigung

"Das Vorhaben der Bundesregierung, für neue Mobilfunkstandorte verstärkt öffentliche Liegenschaften nutzen zu wollen, ist deshalb sinnvoll", sagt Verivox-Telekommunikationsexperte Eugen Ensinger. "Gleiches gilt für schnellere, digitale Genehmigungsverfahren." Insbesondere in grenznahen Regionen hatten fehlende Genehmigungen große Funklöcher zur Folge. Obwohl die Technik eigentlich bereitstand, musste erst ein Gesetzesbeschluss her, weil die leistungsstarken Masten nicht über die Grenze funken durften. Seitdem werden in Grenzgebieten mehr und mehr Funklöcher geschlossen.

Wer finanziert das Netz und wann greift der Staat ein?

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern finanziert in Deutschland nicht der Staat das Netz. Künftig will der Bund allerdings über eine staatliche Infrastrukturgesellschaft direkt beim Netzausbau mitmischen. Doch das Projekt dürfte mit einem hohen Zeitaufwand verbunden und außerdem sehr kostspielig sein. "Wenn überhaupt, sollten sich staatliche Eingriffe auf wirklich kritische Standorte beschränken, wo die Netzbetreiber mit eigenen marktwirtschaftlichen Mitteln nicht weiterkämen", sagt Ensinger.

Um Funklöcher auf einem "wirtschaftlich tragbarem Weg" zu schließen, hatten Telekom, Vodafone und Telefónica jüngst eine Netzkooperation ab 2020 bekannt gegeben. Die drei Netzbetreiber wollen bis zu 6.000 neue Standorte gemeinsam aufbauen und nutzen. Auch Netzbetreiber-Neuling Drillisch wurde dazu eingeladen.

Altlasten erschweren den Ausbau zusätzlich

Ein vermeintlicher Vorteil aus vergangenen Jahrzehnten hat Verivox zufolge eine Kehrseite: In Deutschland gibt es noch aus den Monopolzeiten der Telekom ein gut funktionierendes Festnetz – woanders wurde diese Dichte nie erreicht und man konzentrierte sich schnell auf die mobile Abdeckung (etwa im Baltikum). Die hierzulande mit 50 Milliarden Euro sehr teuer ersteigerten UMTS-Lizenzen wirken ebenfalls noch nach; dieses Geld fehlt nun beim Netzausbau. Der Quasi-Wegfall des Goldesels SMS tut ein Übriges – über Jahrzehnte wurden mit dieser simplen Technik hohe Erlöse erzielt. Doch längst sind die Umsätze eingebrochen, statt der klassischen SMS dominieren Messaging-Apps.

Ausblick: Festnetz-Internet bleibt erste Wahl

Wer viel unterwegs ist, wird die häufigsten Negativerfahrungen haben – denn bis zur 5G-Auktion im Juni waren alle Ausbauvorgaben auf Haushalte bezogen und nicht auf die Fläche. Inzwischen sehen die Auflagen des Bundes vor, nicht nur wichtige Straßen und Zugstrecken, sondern auch Seehäfen und das Kernnetz der Wasserstraßen zu versorgen.

Grundsätzliche Restriktionen der Funktechnologie werden jedoch bleiben: Ein großer Baum, eine dicke Mauer oder eine verspiegelte Scheibe können Hindernisse bilden, die auch das beste Netz der Welt aufhalten. In geschlossenen Räumen wird deshalb die stationäre Internetversorgung übers Festnetz vor allem für bandbreitenträchtige Anwendungen auch in Zukunft erste Wahl bleiben.

Melanie Zecher

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