Daten im Internet

Digitaler Nachlass - Das virtuelle Leben nach dem Tod

Wenn Personen sterben, wird der Nachlass bzw. die Verteilung und was damit geschehen soll gewöhnlich von einem Notar geregelt. Im Informationszeitalter führen wir aber nicht nur das "echte" Leben, sondern auch eine digitale Version. An genau diesem Punkt kommt digitaler Nachlass ins Spiel – und die Frage danach, wie mit virtuellen Daten im Todesfall umzugehen ist.

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Was ist der digitale Nachlass?

Im Prinzip handelt es sich um alle erdenklichen persönlichen Daten, die der verstorbenen Person gehören. Das kann natürlich ein sehr breites Feld sein: Blogs und Blog-Beiträge, Fotos, Beiträge in Foren, Anmeldenamen und Passwörter in sozialen Netzwerken, E-Mails, Nutzer-Accounts bei allen denkbaren Diensten, Profile bei Facebook & Co. und vieles mehr. Alles, was einwandfrei einer bestimmten Person zugeordnet werden kann, fällt unter das Thema des digitalen Nachlasses. Nur selten gelingt es daher, wirklich den gesamten Nachlass aufzuspüren, da ganz einfach Unkenntnis darüber herrscht, wo die verstorbene Person überall unterwegs war. Wie der digitale Nachlass geregelt wird, ist in der deutschen Gesellschaft bislang nicht einwandfrei geklärt.

Empfehlungen für Bürger

Institutionen wie die Stiftung Warentest schlagen vor, wichtige Daten zu notieren und im Todesfall an die Familie oder andere Personen freizugeben. So steht es diesen Vertrauenspersonen frei, wie anschließend mit den Daten umzugehen ist. Denkbar wäre es etwa, das Profil einer Person bei einem sozialen Netzwerk zu löschen. Rein rechtlich gesehen gibt es nämlich sowohl Befürworter als auch Gegner der Freistellung von Daten. Es ist nicht geklärt, ob der digitale Nachlass einem gewöhnlichen Erbe gleicht oder nicht. Mit Vorsichtsmaßnahmen wie der beschriebenen Notierung wichtiger Daten lassen sich diese Fälle recht einfach klären. Die Rechtsprechung in Fällen dieser Art sieht bislang so aus, dass eher für die Vererbbarkeit als dagegen gesprochen wird.

Lösungsansätze durch Unternehmen

Betreiber von sozialen Netzwerken wie Facebook oder Google bieten heute Funktionen an, die für Fälle dieser Art gedacht sind. Beispielsweise können Nutzer einen Latenzzeitraum einstellen: Vergehen beispielsweise zwei Jahre seit dem letzten Login, bekommen fünf andere Personen ebenfalls Zugriff auf das Konto der Person, die sich seit längerer Zeit nicht eingeloggt hat. In einem Todesfall könnten diese Vertrauenspersonen dann entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. Auch eine automatische Löschung bieten diese Dienste an: Loggt sich ein Nutzer über einen selbstdefinierten Zeitraum nicht mehr ein, löscht der Betreiber das Profil vollständig. Hilfsmittel dieser Art machen die rechtlich komplexe Hantierung mit digitalem Nachlass überflüssig.

Lösungsansätze auf allgemeiner Basis

Sowohl Online- als auch Offline-Dienste bieten Services an – in den USA häufiger, hier zulande eher selten –, über die wichtige Login-Daten verwaltet werden. Der Kunde, der den Service nutzt, gibt an, dass im Falle seines Ablebens bestimmte andere Personen Zugang zu den Daten bekommen sollen. Hier steht allerdings das Problem der Fälschbarkeit im Vordergrund: Sterbeurkunden lassen sich fälschen und nicht zuletzt die Online-Dienste selbst könnten auf die hinterlegten Daten zugreifen. Daher gibt es Organisationen wie die Verbraucherschutzzentrale, die sich dafür aussprechen, von dieser Methode Abstand zu nehmen. Sinnvoller ist es, auf die Methoden zuzugreifen, die wir im vorherigen Abschnitt erläutert haben.

Nachlassregelung durch Bestatter

Einige wenige Bestatter bieten als Dienstleistung an, den digitalen Nachlass der verstorbenen Person selbst zu recherchieren. Bestimmte Unternehmen erhalten dann den Auftrag, z.B. Online-Banken, soziale Netzwerke, Versicherungen, Unterhaltungsplattformen und viele weitere Webseiten nach Spuren zu durchsuchen. Problematisch an diesem Service ist jedoch die Tatsache, dass dies nur funktioniert, wenn die Person immer ihren echten Namen oder zumindest eine gleichbleibende E-Mails benutzt hat, die dieser Person zugeordnet werden kann. Bei anonymen Anmeldungen oder einer Mehrzahl an E-Mail-Konten für die Anmeldung versagt dieses Verfahren. Ob es sich wirklich lohnt, die teilweise teuren Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen, hängt daher vom jeweiligen Fall ab. Auch zeigen sich Unternehmen aus dem Ausland selten kooperativ – und viele Plattformen, die im Internet heute intensiv genutzt werden, stammen nun einmal nicht aus Deutschland.

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