Grundlagen

Rechte und Pflichten im Homeoffice – was Arbeitnehmer wissen sollten

Die Corona-Pandemie hat dem Arbeiten im Homeoffice kräftigen Auftrieb gegeben. Doch was müssen Arbeitnehmer beim Arbeiten zuhause beachten? Wir erläutern wichtige Aspekte rund um Arbeitszeitregelung und Haftungsfragen.

30.07.2020, 15:39 Uhr
Homeoffice© WavebreakMediaMicro / Fotolia.com

Keine lange Anfahrt zum Büro, flexible Arbeitszeiten und kein Chef, der einem beständig über die Schulter sieht: Die Arbeit im Homeoffice ist mit zahlreichen Vorteilen, aber auch mit diversen Unsicherheiten verbunden. Nicht erst seit Beginn der Corona-Krise fragen sich viele Arbeitnehmer, ob sie ein Recht auf Arbeit im Homeoffice haben und, falls ja, wie das mit dem Datenschutz und der Versicherung konkret geregelt ist. Auch bei den Arbeitszeiten und der Bereitstellung der notwendigen Gerätschaften besteht häufig Klärungsbedarf. Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema "Rechte und Pflichten im Homeoffice" hält dieser Ratgeber bereit.

Homeoffice – was bedeutet das eigentlich?

Wer im Homeoffice arbeitet, leistet seine Arbeitszeit ganz oder teilweise in den eigenen vier Wänden ab. Der Kontakt zur Firma wird dabei per Telefon oder Internet aufrechterhalten. Homeoffice ist nicht zu verwechseln mit mobiler Arbeit, die für gewöhnlich von Außendienstlern geleistet wird. Der Zusatz "mobil" ist hier also im Sinne von "viel unterwegs sein" zu verstehen, während Mitarbeiter im Homeoffice in der Regel am Schreibtisch arbeiten und mit Kunden und Kollegen vorrangig via Telefon, E-Mail oder Video-Anruf in Kontakt stehen.

Gibt es ein Recht auf Homeoffice?

UrteilEin generelles Recht auf das Arbeiten im Homeoffice besteht in Deutschland nicht.© fotogestoeber / Fotolia.com

Ein Recht auf Arbeit im Homeoffice besteht nur dann, wenn dieses Recht im Arbeitsvertrag festgehalten wurde. Ist das nicht der Fall, kann der Arbeitnehmer weder auf Arbeit im Homeoffice bestehen, noch darf der Arbeitgeber ihn gegen seinen Willen ins Homeoffice schicken. Auch dann, wenn beispielsweise die Kinder krank sind oder Angehörige gepflegt werden müssen, besteht kein Rechtsanspruch auf Heimarbeit. Es besteht jedoch immer die Möglichkeit, eine individuelle Zusatzvereinbarung zu treffen, die es dem Arbeitnehmer gestattet, seine Arbeit ins Homeoffice zu verlegen. Diese Vereinbarung sollte unter anderem Regelungen zu folgenden Themenkomplexen beinhalten:

  • zu den Arbeitszeiten
  • zu den Pausenzeiten
  • zur Dokumentation der Arbeits- und Pausenzeiten
  • zum Arbeitsschutz
  • zur Erreichbarkeit
  • zum Datenschutz

Wie sind die Arbeitszeiten im Homeoffice geregelt?

StoppuhrFeste Arbeitszeiten und ausreichend Pausen sollten auch im Homeoffice eingehalten werden. © Karen Roach / Fotolia.com

Im Homeoffice vereinbaren Arbeitgeber und Arbeitnehmer in der Regel eine sogenannte Vertrauensarbeitszeit. Das bedeutet: Der Arbeitnehmer muss die vereinbarte Arbeitszeit erbringen und gegebenenfalls dokumentieren, aber es erfolgt keine Kontrolle seitens des Arbeitgebers. Dennoch gilt: Auch wenn die Arbeit in den eigenen vier Wänden ein hohes Maß an Flexibilität ermöglicht, ist es ratsam, feste Arbeitszeiten, genügend Pausen und einen persönlichen Arbeitsrhythmus einzuhalten. So wissen die Kollegen ganz genau, wann jemand erreichbar ist, und auch die wichtige Grenze zwischen Arbeit und Freizeit bleibt erhalten.

Arbeit im Homeoffice – mit welchen Geräten?

In puncto Geräteausstattung im Homeoffice gibt es zwei Möglichkeiten. Der Arbeitgeber kann seinem Mitarbeiter alle erforderlichen Geräte zur Verfügung stellen, oder der Arbeitnehmer nutzt seine eigenen Geräte. Die Anforderungen an die Datensicherheit sind in jedem Fall sehr hoch, das heißt: Der Arbeitnehmer muss gewährleisten, dass Dritte keinen Zugriff auf den Arbeitsplatz oder auf wichtige Dokumente haben – beispielsweise, indem er den Arbeitsraum nach Arbeitsende abschließt oder den Computer mit einem sicheren Passwort schützt. Die durch die Arbeit im Homeoffice erhöhten Kosten, beispielsweise für Strom oder Telefon, können gegebenenfalls vom Arbeitgeber erstattet werden. Auch hier ist eine individuelle Vereinbarung empfehlenswert.

Wie sieht es mit dem Arbeitsschutz im Homeoffice aus?

Bei der Arbeit im Homeoffice gelten ebenso wie bei der Arbeit im Büro das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) und die Arbeitsstättenverordnung (AbStättV). Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass seine Mitarbeiter auch bei der Arbeit zu Hause nicht ihre Gesundheit gefährden, und dass sämtliche diesbezüglichen Vorschriften eingehalten werden. Im Arbeitsvertrag kann ein Zutrittsrecht zur Wohnung vermerkt sein – der Arbeitnehmer darf die Wohnung also betreten, um den Arbeitsschutz zu kontrollieren, er darf jedoch nicht ohne Ankündigung bei seinem Mitarbeiter vorbeischauen.

Unfälle und Sachschäden im Homeoffice – wer haftet?

PrivathaftpflichtEntsteht im Homeoffice ein Schaden etwa durch verschütteten Kaffee, so haftet der Arbeitgeber.© Mikael Damkier / Fotolia.com

Der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung greift auch im Homeoffice, allerdings nur bei dienstlichen Tätigkeiten im Arbeitszimmer. Das bedeutet: Erleidet der Arbeitnehmer auf dem Weg zur Toilette oder in die Küche einen Unfall, haften der Arbeitgeber und die Unfallversicherung beziehungsweise die Berufsgenossenschaft in der Regel nicht. Außerdem gilt: Befindet sich das Homeoffice in einem anderen Stockwerk, kann der Arbeitnehmer auch keinen sogenannten Wegeunfall geltend machen, wenn er auf dem Weg in sein Arbeitszimmer verunglückt, denn der Arbeitsweg beginnt immer erst an der Außentür des Wohnhauses.

Kommt es zu einem Sachschaden, etwa durch verschütteten Kaffee, macht es hingegen keinen Unterschied, ob der Schaden am Arbeitsplatz im Büro oder im Homeoffice verursacht wurde. Laut Dienstnehmerhaftpflichtgesetz haftet der Arbeitgeber nämlich auch für solche Schäden, die im Homeoffice entstanden sind.

Fazit: Konflikte durch vertragliche Regelungen fürs Homeoffice vermeiden

Viele Experten sehen im Homeoffice das Arbeitsmodell der Zukunft. Und in der Tat ist die Arbeit am heimischen Schreibtisch mit zahlreichen Vorteilen verbunden. Allerdings sollten sämtliche Rechte und Pflichten im Homeoffice immer auch vertraglich festgehalten werden, um Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu vermeiden.

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