Virtuell zusammenlegen

Online Geld für Geschenke sammeln - das sollten Sie beachten

Ob für Geburtstage, den Ausstand eines Kollegen oder einen guten Zweck: Geld sammeln kann man heute auch virtuell. Aber ist die Kasse bei Online-Anbietern sicher? Und was kostet so ein Service?

Weihnachtsgeld© juefraphoto / Fotolia.com

Ein Freund oder Kollege feiert seinen Geburtstag und alle wollen für das Geschenk zusammenlegen. Dafür musste bisher meist irgendein armer Mensch wochenlang den Münzen und Scheinen hinterherlaufen. Oder seine Kontonummer großflächig im Freundes- oder Kollegenkreis verteilen. Mittlerweile gibt es eine dritte Option: Internetportale, mit denen man Geld einsammeln kann. In der Regel genügen dafür ein paar Klicks. Doch es lohnt sich, bei den Angeboten genauer hinzuschauen.

Virtueller Sammeltopf

Leetchi, Commonbox, MoneyPool - so heißen Tools, mit denen sich Geld für Geschenke ganz einfach einsammeln lässt. Einer richtet einen virtuellen Sammeltopf ein, alle anderen zahlen zum Beispiel per Kreditkarte ein. Der Vorteil für den Einsammler: Er muss seine Kontonummer nicht allen preisgeben, und das Geld vermischt sich nicht mit dem auf dem eigenen Konto. Die anderen wiederum müssen nicht unbedingt ihren Namen mit der Überweisung öffentlich machen.

"Das Ganze ist - wie man neudeutsch sagen würde - sehr convenient", sagt Joanna Schmölz, Vizedirektorin des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet: schnell gemacht und schnell befüllt. Diese einfache Handhabung sei vielen Menschen heute wichtig.

Spätestens bei der Auszahlung zeigt sich allerdings der erste Pferdefuß: Um den Betrag auf ein Konto zu überweisen, fallen meist Gebühren an - und die können saftig sein. Von Sammelbeträgen unter 2.000 Euro ziehen manche Anbieter beispielsweise vier Prozent ab. Sammelt ein großer Freundeskreis also 1.000 Euro ein, gehen dann 40 Euro für Gebühren drauf.

Alternative Partnershop

Gebührenfrei kann man die Summe dagegen meist in einem Partnershop des Unternehmens ausgeben - zum Beispiel bei einem Online-Versandhändler oder einer Hotelkette. "Das ist dann im Grunde ein Wertgutschein", erklärt David Riechmann, Verbraucherschutzexperte für Finanzthemen. Wer solche Angebote nutzen will, sollte sich also als erstes überlegen, ob der Beschenkte in einem der Partnershops fündig würde.

Der Online-Bezahldienst Paypal bietet ein anderes Modell an. Dort kann man in einem bestehenden Konto einen sogenannten MoneyPool einrichten. Auch das ist mit ein paar Klicks passiert. Der Kontoinhaber verschickt einen Link an Freunde, die in den Pool einzahlen können. Der gesammelte Betrag wiederum wird am Ende auf das Paypal-Konto des Sammlers umgebucht und kann kostenlos an einen anderen Paypal-Nutzer oder das eigene Bankkonto ausgezahlt werden.

Einen Haken gibt es dennoch: Um in den Topf einzahlen zu können, muss man selbst ein Paypal-Konto haben. "Das bietet sich nur für Freundes- oder Kollegenkreise an, in denen viele über so ein Konto verfügen", sagt Schmölz. Und es muss für die anderen eine Alternative geben - zum Beispiel die Möglichkeit einer Banküberweisung. Dann hat man aber wieder zwei Töpfe, und die Sammelaktion kann unübersichtlich werden.

Auf lizenzierte Anbieter achten

Aber wie sicher ist das Geld eigentlich in solchen virtuellen Sammelboxen? Das hängt davon ab, wo die Anbieter sitzen und wie sie lizenziert sind, sagt Schmölz. Anbieter aus der EU könne man zumindest nach EU-Recht belangen, wenn etwas schief gehen sollte. Wenn also ein lizenzierter Anbieter aus der EU zum Beispiel Insolvenz anmelden muss, besteht die Chance, dass Nutzer ihr Geld zurückfordern können.

Julian Grigo ist beim Digitalverband Bitkom Bereichsleiter Digital Finance und Digital Banking. Er rät, vor allem für größere Beträge einen Anbieter zu wählen, der von einer Finanzaufsichtsbehörde in der EU lizenziert ist - etwa als E-Geld-Institut oder wie Paypal als Bank. "Dann darf man sich auf der sicheren Seite fühlen", sagt er. "Wer eine solche Lizenz hat, wird streng geprüft, und unseriöses Geschäftsgebaren ist deutlich unwahrscheinlicher als bei nicht lizenzierten Unternehmen."

Nutzer sollten zudem recherchieren, was andere Nutzer sagen, empfiehlt Grigo: "Gibt es Berichte über Geld, das nicht ausgezahlt wurde? Ist der Anbieter bereits lange Zeit am Markt aktiv?"

Solche Fragen gilt es vorab so gut es geht zu klären. Schließlich sammelt man ja in der Regel nicht für sich alleine, sondern muss auch die anderen davon überzeugen, den entsprechenden Dienst zu nutzen. Damit sich möglichst viele beteiligen, rät Schmölz, in der Info-E-Mail an die Mitschenkenden genau darzulegen, warum man sich für diesen Anbieter entschieden hat.

AGB lesen

Neben dem Geld sammelt der Anbieter allerdings noch etwas anderes: Daten. Schmölz empfiehlt deshalb, unbedingt vorher die Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen - auch wenn es nervt. Dabei sollten potenzielle Nutzer darauf achten, ob auch Dinge gespeichert werden, die mit der Dienstleistung - also dem Parken von Geld - gar nichts zu tun haben: Muss man etwa seine Handynummer angeben? Erhebt der Anbieter Ortungsdaten? "Bevor man sich für einen Anbieter entscheidet, sollte man sich ein paar Minuten bewusst damit beschäftigen."

Das alles gilt natürlich nicht nur für jene, die einen Sammeltopf einrichten. Auch wer aufgefordert wird einzuzahlen, sollte kritisch sein. "Je mehr Anbieter auf den Markt kommen, desto größer ist die Gefahr, dass Phishing-E-Mails auftauchen", gibt Riechmann zu bedenken. Dass also Betrüger Zahlungsaufforderungen verschicken, die denen von Geldsammel-Portalen zum Verwechseln ähnlich sehen. Wer eine E-Mail von einem Freund bekommt mit der Aufforderung, sich an einem Geschenk zu beteiligen, sollte im Zweifel also besser doch noch mal nachfragen.

Quelle: DPA

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