Kontrovers

Smart Home und Datensicherheit: Passt das zusammen?

Ein Smart Home besteht aus vielen einzelnen Geräten, die miteinander verbunden sind und Daten hin und her schicken – auch an externe Server. Wir schauen uns in diesem Artikel das Thema Smart Home und Datensicherheit genauer an und geben gleich einige Empfehlungen.

vernetztes ZuhauseSmart-Home-Geräte senden Daten auch an externe Server. Was bedeutet das für Verbraucher?© Artur Marciniec / Fotolia.com

Smart Home funktioniert nur, wenn Daten gesammelt werden dürfen. Ein gutes Beispiel sind Lautsprecher, die sich via Sprachsteuerung bedienen lassen: Damit diese Geräte die eigene Stimme immer besser erkennen, müssen diese Sprach-Samples auf den Servern der Hersteller ausgewertet werden. Die Lautsprecher lernen dann mit der Zeit, die Sprache besser zu verstehen. Klingt in der Theorie toll, in der Praxis führt das aber dazu, dass diese Smart-Home-Systeme praktisch permanent mithören müssen. Natürlich lassen sie sich deaktivieren – aber dadurch entfällt auch das große Alleinstellungsmerkmal dieser Geräte. Datenschutz und das Smart Home sind daher aktuell eher schwer in Einklang zu bringen, wenngleich einige Unternehmen daran arbeiten.

Smart Home und Datensicherheit: Mögliche Risiken

Einige Leser werden vielleicht denken: "Moment, wir wissen doch gar nicht, was mit den Daten geschieht. Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm?" Richtig, beweisen lassen sich fragwürdige Aktivitäten mit den eigenen Daten nicht. Amazon jedoch beschreibt zum Beispiel nur sehr schwammig, was mit den gesammelten Daten überhaupt passiert. Außerdem wäre es unwahrscheinlich, dass gewinnorientierte Unternehmen Daten nicht auswerten würden, um daraus eben noch mehr Gewinn zu generieren – wie etwa durch Werbung, die exakt auf die jeweilige Person zugeschnitten ist. Durch die Analyse von Sprache lässt sich zielgerichtete Werbung natürlich noch präziser auf den jeweiligen Kunden zuschneiden. Auch ließe sich etwa der Verbrauch von Gas oder Öl für Heizungen protokollieren, um daraus eventuell Preiserhöhungen zu schaffen.

Gefahr erkannt – auch durch Unternehmen

Hersteller wie EWE warnen ebenfalls vor den Folgen der „Smartisierung“. So heißt es etwa auf der Webseite: "Mit wachsender Zahl an sprechenden Geräten steigt potenziell auch die Zahl der Übertragungswege und Datenabnehmer." Je mehr smart, desto mehr gläserner Nutzer. Gleichzeitig gibt es jedoch Handlungsanweisungen. Beispielsweise ist es sinnvoll, auf Geräte von Unternehmen aus Deutschland zu setzen. Die hiesigen Datenschutzgesetze sind deutlich strenger als etwa in den USA und zum Großteil auch im restlichen Europa. Daten, die hier gespeichert werden, sollten daher durchschnittlicher weniger häufig von unbefugten Unternehmen oder anderen Parteien ausgewertet werden.

Datenhosting am besten regional

Auch sollten Smart-Home-Enthusiasten genauer schauen, wohin die Daten ausgelagert werden. Vertrauen schaffen beispielsweise eigene Datenzentren in Deutschland, die nach ISO 27001 zertifiziert sind. Diese unterliegen dann nicht nur dem Bundesdatenschutzgesetz. Zusätzlich sind die Räume, in denen die Server gelagert werden, praktisch so sicher, dass ein Verlust der Daten oder ein Einbruch sehr unwahrscheinlich sind. Dieses Vorgehen sollte dann auch mit Daten geschehen, die in Clouds ausgelagert werden. Google Drive, OneDrive & Co. mögen bequem sein – aber von Sicherheit bzw. Privatsphäre fehlt jede Spur. Solange Käufer von Smart-Home-Geräten alles in Deutschland lassen, haben sie somit schon einmal einen wichtigen Schritt getan.

Basisfrage: Wie wichtig sind einem die eigenen Daten?

Wie immer gilt auch beim Smart Home: Gefällt Ihnen die Vorstellung von Unternehmen, die Ihre Daten in die Hände nehmen, nicht sonderlich, können Sie erwägen, ob auf solche Produkte verzichtet werden sollte. Notwendig sind Geräte wie Lautsprecher, Thermostate oder Türschlösser sicherlich nicht, schließlich könnten Sie die älteren Versionen dieser Produkte auch selbst bedienen. Smart Home zielt im Moment weniger auf eine wirklich intelligente Nutzung der hauseigenen Geräte ab, sondern eher auf Bequemlichkeit. Zwar lassen sich Heizungskosten sparen, wenn etwa die Nutzung der Heizkörper beachtet wird – aber auch das könnten Sie zur Not selbst erledigen. Daher gilt: Wollen Sie Ihre Daten in jedem Fall behalten, ist ein Verzicht wohl die sicherste Methode. Das muss jeder aber für sich selbst entscheiden.

Ausblick auf die Zukunft

Ob die Datenschutzprobleme bei Smart-Home-Anwendungen jemals Vergangenheit werden? Eventuell, aber derzeit ist dies noch nicht in Sicht. Damit Alexa & Co. funktionieren, müssen Server nun einmal Sprache auswerten. Anders würden diese Systeme nicht funktionieren. In der etwas ferneren Zukunft könnten Blockchain-basierte Systeme vielleicht dem Nutzer das Recht an Daten zurückgeben, bislang ist das aber noch Zukunftsmusik. Mit anderen Worten: Falls Sie jetzt bei Smart Home einsteigen möchten, werden Sie sich auch damit abfinden müssen, dass Sie Ihre Daten aus der Hand geben – und das wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern.

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