Netzbetreiber vs. Service Provider

Erhalten 1&1 und freenet keinen Zugriff auf 5G-Netze?

Müssen die drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber Service Providern wie 1&1 und freenet Zugriff auf ihre künftigen 5G-Netze gewähren? Gegen eine solche Diensteanbieterverpflichtung wehren sich die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland.

5G© Piotr Adamowicz / Fotolia.com

Düsseldorf – Noch ist LTE nicht überall in Deutschland verfügbar, doch die Weichenstellungen für die Einführung des Nachfolgestandards 5G laufen auf Hochtouren. Beim Aufbau der 5G-Netze wollen die drei Mobilfunknetzbetreiber laut einem Bericht der "WirtschaftsWoche" offenbar die Gelegenheit nutzen und unliebsamen Service-Providern wie 1&1 und freenet den Zugang zu den neuen Highspeed-Netzen versperren.

Schließung von Funklöchern bis 2021

Auf dem Mobilfunkgipfel in dieser Woche hatten die Netzbetreiber sich bis 2021 zur Stopfung von Funklöchern verpflichtet. Bis dahin soll eine Netzabdeckung von 99 Prozent erreicht werden. Bei den demnächst anstehenden Frequenzauktionen zur Vergabe der für 5G benötigten Frequenzen drängen die Netzbetreiber darauf, dass sie die neuen schnellen Netze nicht mehr für Wettbewerber, die über keine eigenen Netze verfügen, öffnen müssen. Denn Anbieter wie 1&1 und freenet punkten bei Kunden mit günstigeren Tarifen als die Netzbetreiber selbst.

Heftiges Ringen um die Diensteanbieterverpflichtung

Eine heftige Kontroverse wird daher derzeit um die sogenannte Diensteanbieterverpflichtung geführt, die auch Unternehmen ohne eigenes Netz den Zugriff auf die Mobilfunknetze von Telekom, Vodafone und Telefónica erlaube. Laut "WirtschaftsWoche" kam es Mitte Juni auf der Präsidiumssitzung des Branchenverbandes VATM, in dem sowohl Netzbetreiber wie Vodafone und O2 als auch Service Provider wie 1&1 und freenet vertreten sind, intern zum Machtkampf um die Diensteanbieterverpflichtung. Während Vertreter der 1&1-Mutter United Internet und von freenet die Einführung einer Diensteanbieterverpflichtung im Rahmen der 5G-Frequenzvergabe vorschlugen, lehnten Vertreter von Vodafone und Telefónica dies ab.

Am Donnerstag hatte Telefónica Deutschland auch per Pressemitteilung erklärt, dass eine solche Verpflichtung zur Öffnung der 5G-Netze nicht kommen dürfe. "Eine solche Verpflichtung würde Unternehmen, die keinen Cent in Deutschlands digitale Infrastruktur stecken, einen Zugangsanspruch auf unser Mobilfunknetz geben, das wir mit enormen Investitionen errichten", so die Sicht des Mobilfunknetzbetreibers aus München.

Ob eine Diensteanbieterverpflichtung kommen wird, ist derzeit noch unklar. Entscheidend wird hier auch die Position der Bundesnetzagentur sein. Ohne Öffnung der 5G-Netze für Service-Provider dürfte es jedoch weniger günstige Highspeed-Tarife geben.

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