Zusammenschluss

E-Plus und o2: Das Wichtigste zur Netzfusion

Mit dem Zusammenschluss von o2 und E-Plus entsteht das größte deutsche Handynetz. Welche Auswirkungen hat die Zusammenlegung der Netze für die Kunden? Die wichtigsten Fakten zur Netzfusion von E-Plus und o2.

Zusammenschluss O2 e-plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG / Montage: i12 GmbH

Heidelberg (red) - Nach dem Abschluss der Übernahme des Mobilfunknetzbetreibers E-Plus durch den Konkurrenten Telefónica Deutschland (O2) im Herbst 2014 begann ab 2015 die Zusammenlegung der Mobilfunknetze von E-Plus und o2. Damit entstand im Laufe der folgenden Jahre das derzeit größte deutsche Handynetz. Von der Umstellung waren 40 Millionen Kunden unmittelbar betroffen. Die Netzintegration ist technisch ein großer Kraftakt: Mehrere Zehntausend Mobilfunkstandorte müssen mit aktueller Technik ausgestattet werden. 2018 begann der Endspurt - in immer mehr Regionen ist der Zusammenschluss der Mobilfunknetze abgeschlossen.

Abnehmender Wettbewerb - Einstellung von Marken

Mit der Telekom, Vodafone und dem o2-Mutterkonzern Telefónica gibt es aktuell nur noch drei Netzbetreiber. E-Plus hatte mit günstigen Tarifen früher den Markt aufgemischt. Experten erwarteten tendenziell steigende Preise, da ein wichtiger Wettbewerber fehlt. Zumal auch ein paar Mobilfunk-Discounter von E-Plus dem Zusammenschluss zum Opfer fielen. Die Vermarktung einiger Marken wurde eingestellt. So verschwand beispielsweise die Marke Simyo, auch das Angebot von Base wurde komplett überarbeitet. Aldi Talk ist dagegen weiterhin einer der populärsten Billig-Mobilfunkmarken in Deutschland.

Zusammenschaltung erfolgte in zwei Stufen

Die Netzzusammenlegung sollte vor allem die Versorgung mit mobilem Internet verbessern, davon profitieren auch Kunden der Discounttöchter. Zunächst wurden aber nur die UMTS-Netze verknüpft, die schnelleren LTE-Netze von E-Plus und o2 folgen erst 2016. Bei den richtig schnellen Verbindungen konnten Verbraucher also noch nicht zwischen beiden Netzen hin- und herwechseln. Grundsätzlich wird den Kunden automatisch das schnellste am Standort verfügbare Netz geboten, das gilt für alle Netzbetreiber.

Einheitliche Netzkennung seit August 2017

Seit Mitte April 2015 war für Kunden von E-Plus und o2 das sogenannte "nationale Roaming" bundesweit verfügbar: Das jeweils andere Netz konnte automatisch ohne zusätzliche Anmeldung oder zusätzliche Gebühren genutzt werden. Ein Meilenstein auf dem Weg zur Netzintegration wurde nach Unternehmensangaben im August 2017 erreicht. So konnte die Umstellung der eigenen GMS- UMTS- und LTE-Netze von Telefónca abgeschlossen werden. In ganz Deutschland wurde Telefónica-Kunden auf Smartphones und Tablets ein einheitliches Netz angezeigt.

Auswirkungen auf die Netzqualität

Weil o2 eher in städtischen, E-Plus aber in ländlichen Regionen stärker vertreten war, ergänzen sich beide Netze. Ob die quantitative Verbesserung auch eine qualitative bedeutet, muss sich erst zeigen: Bislang wurde die Netzqualität beider Anbieter regelmäßig schlechter bewertet als die der Wettbewerber. Unklar ist, ob die angekündigte Abschaltung Tausender Funkmasten auch Störungen im Netzbetrieb zur Folge haben wird. Das gesamte Projekt ist indes auf mehrere Jahre terminiert: Die komplette Integration der beiden Netzinfrastrukturen soll noch bis 2020 dauern.

Welche Rechte Kunden bei Netzproblemen haben

Was können Kunden tun, wenn es am Wohnort plötzlich zu Versorgungseinschränkungen kommt? Für die Tarifexperten von Verivox nimmt Verbraucheranwalt Thomas Hollweck Stellung zu den Rechten von Mobilfunkkunden: "Käme es durch den Zusammenschluss von o2 und E-Plus beispielsweise zu einem dreimonatigen Ausfall des Empfangs in den für den Kunden relevanten Gebieten, so ist meiner rechtlichen Ansicht nach ein außerordentliches Kündigungsrecht gegeben." Der Kunde müsse sich darauf verlassen können, dass die für ihn wichtigen Empfangsgebiete dauerhaft versorgt bleiben, wenn sie das auch bei Vertragsabschluss waren. "Er muss nicht damit rechnen, plötzlich völlig ohne Empfang dazustehen", sagt Anwalt Hollweck.

Gleichwohl sei bei einer außerordentlichen Kündigung wegen fehlender Netzabdeckung jeder Fall individuell zu betrachten; nicht jede Versorgungslücke rechtfertige eine Auflösung des Vertrags. Tipp des Anwalts: Als Kompromiss könnte im Rahmen einer Kulanzregelung vereinbart werden, dass der Kunde in der Zeit der fehlenden Netzabdeckung zumindest keine Grundgebühr zahlen muss.

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