Fragen und Antworten

eSIM im E-Bike - Was soll das denn?

Wer bei der eSIM nur an Telefonie denkt, blickt womöglich nicht weit genug. Ein Beispiel: Der kroatische Fahrrad-Hersteller Greyp stattet bereits heute einige seiner E-Bikes mit den virtuellen SIM-Karten aus. Welchen Zweck erfüllt das hier?

Greyp G6 E-BikeFür die eSIM besteht zwischen Greyp und T-Mobile (Hvatski Telekom) eine Kooperation. Die Internetverbindung ist für Käufer des Bikes bis 2022 kostenlos.© Greyp Bikes d.o.o.

Im Grunde ging es bei der Entwicklung der virtuellen SIM-Karte darum, durch den festen Einbau den Format-Wirrwarr zu beseitigen und den SIM-Tausch einfacher zu gestalten. Doch wie bei vielen technischen Evolutionen steckt mehr dahinter als man zu Beginn erkennt. Schon heute weisen erste Anzeichen darauf hin, dass die eSIM im aufkommenden Internet der Dinge eine zentrale Rolle einnehmen könnte. Als einer der ersten Protagonisten zeigt E-Bike-Hersteller Greyp mit seinem E-Bike G6, was alles möglich werden könnte.

Ein E-Bike im Internet der Dinge

Es ist wie zu Beginn des mobilen Internets. Die Technik war da, und jeder fragte sich, was man damit wohl anfangen könnte. In einer ähnlichen Situation befinden wir uns heute vermutlich bei der eSIM. Mit seinen E-Bikes geht Greyp die ersten Schritte auf dem Weg der eSIM hin zu einem universellen Element bei der Vernetzung seiner Produkte im Internet der Dinge.

Das futuristisch gestaltete Greyp G6 gehört zu den modernsten E-Bikes auf dem Markt. Das liegt nicht so sehr am Carbonrahmen, der hauseigenen Steuersoftware, dem selbstentwickelten Akkupack oder der auf Höchstbeanspruchung ausgelegten Bauweise, denn diese Eigenschaften sind auch bei vielen anderen Herstellern zu finden. Den Schritt in die Zukunft tut Greyp beim Thema Connectivity, die das Bike zu einem Mitglied im Internet der Dinge werden lässt. Getreu dem Motto "nicht kleckern, sondern klotzen" hat Greyp dem G6 gleich ein komplettes Smartphone-Hub spendiert. Auch in Punkto Sensorik ist alles an Bord, was für das smarte Biken gebraucht wird: GPS, eigenes WLAN, ein USB-C-Anschluss und mehr. Für optimale Fahreigenschaften gibt es einen über drei Achsen wirkenden Beschleunigungsmesser und einen Gyro-Sensor.

Greyp G6 E-BikeSowohl auf der Rückseite unter dem Sattel als auch auf der Vorderseite hat der Hersteller beim G6 eine Kamera angebracht. © Greyp Bikes d.o.o.

Wofür wird die eSIM im G6 genutzt?

Über die fest verbaute eSIM in Verbindung mit einem 3G-Modul ist das Bike in 140 Ländern permanent mit dem Internet verbunden. Allerdings kommt diese Anbindung vorerst fast ausschließlich bei der Fernüberwachung zum Einsatz. Die eSIM steht mit den beiden eingebauten Weitwinkelkameras in Verbindung, von denen sich eine vorne und eine hinten am E-Bike befindet. Was sich damit anfangen lässt, ist durch die von Greyp beschriebenen Funktionen erst im Ansatz zu erkennen. Natürlich ist der unmittelbare Zweck der per eSIM ansprechbaren Kameras die Diebstahlsicherung. Die Warnanlage ruft den Eigner bei unautorisierten Handlungen an und liefert über die Kameras Bilder vom Dieb und - falls er erfolgreich war - Echtzeitinformationen darüber, wo sich das E-Bike gerade befindet, komplett mit GPS-Daten.

Doch das ist erst der Anfang. Über den Kill-Switch (Notausschalter) lässt sich das gestohlene E-Bike über die eSIM aus der Ferne lahmlegen. Als Spaßanwendung ist der Live-Competition-Mode enthalten. Die nicht näher beschriebene Funktion beinhaltet nach Angaben des Herstellers die Echtzeit-Bildübertragung bei Radrennen mit mehreren Teilnehmern.

Ausblick: Grenzenloses Anwendungsspektrum der eSIM

Man kann davon ausgehen, dass Greyp oder andere E-Bike-Hersteller noch eine Vielzahl weiterer Anwendungen für eine fest im Fahrrad eingebaute eSIM entwickeln werden. So ist beispielsweise ein automatisches Unfallmeldesystem denkbar. Aus den Daten des Beschleunigungsmessers und des Gyro-Sensors könnte die Elektronik abruptes Halten und rasche Lageveränderungen des Bikes ermitteln und daraus einen Unfall ableiten. Bleiben die Daten über eine bestimmte Frist - beispielsweise 20 Sekunden - unverändert, deutet das auf eine Ohnmacht des Fahrers hin. In diesem Fall könnte das Bike über die eSIM einen Notruf absetzen - komplett mit Adresse und GPS-Daten.

Andere Anwendungen könnten Kurier- und Lieferdienste betreffen. Über die eSIM ließen sich logistische Aktualisierungen wie beispielsweise Änderungen der Lieferroute in Echtzeit an eine am Bike installierte Steuereinheit übermitteln.

Noch liegt auch bei dem kroatischen E-Bike-Hersteller der Fokus der eingebauten eSIM der Diebstahlsicherung. Doch alleine schon die Tatsache, dass sie einschließlich eines Smartphone-Hubs zum Lieferumfang des G6 gehört, kann als Hinweis auf die zukünftige Mobilstrategie interpretiert werden: Nicht der Benutzer wird hier vernetzt, sondern das Gerät, das er verwendet.

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