Stolpersteine

Fotografieren auf Reisen und das Urheberrecht

Reisen und Fotografieren gehört für viele untrennbar zusammen. Wenn es aber um das Teilen und öffentliche Verbreiten von Fotos im Netz geht, können rechtliche Fragen bezüglich Urheberrecht oder fotografierten Personen aufkommen. Worauf muss man achten?

Fotografie© HaywireMedia / Fotolia.com

Wer verreist, möchte Freude und Bekannte an den Erlebnissen teilhaben lassen und später selber Erinnerungsstücke in Form von Fotos im Album, auf dem Handy oder dem PC haben. Dazu gehört heute das Teilen der geschossenen Fotos im Netz – hierbei sollte man jedoch das Urheberrecht im Auge behalten, welches auf viele fotografierte Objekte geltend gemacht werden kann – sonst kann der Schnappschuss ungewollt teuer werden.

Privat und öffentlich – ein großer Unterschied

Fotos für den Privatgebrauch kann man mit einigen Ausnahmen uneingeschränkt überall knipsen. Ausgenommen sind militärische Anlagen, Firmengelände und Ähnliches. Sobald man Bilder jedoch veröffentlicht, muss man darüber hinaus beispielsweise ans Urheberrecht denken. Dabei fallen unter "Veröffentlichung" auch Posts auf Facebook, Instagram, Twitter und Co. – denn streng genommen sind diese Bilder für jedermann zugänglich und somit öffentlich. Um zu wissen, ob es okay ist, sein Bild online zu stellen oder nicht, gibt es einige Faustregeln zu beachten. Ist man sich unsicher, recherchiert man jedoch besser nochmal konkret für das fotografierte Objekt im Netz.

Urheberrecht bei Gebäuden oder Kunstwerken

Beim Fotografieren von Objekten oder Kunstwerken gilt das Urheberrecht des jeweiligen Schöpfers des Werkes. Ein Urheberrecht ist immer dann vorhanden, wenn der Künstler, Architekt oder Erschaffer nicht länger als 70 Jahre tot ist. Fotografiert man ein Werk, auf welches noch ein Urheberrecht besteht, sind teure Klagen vom Künstler oder dessen Erben denkbar.

Panoramafreiheit

BerlinFotos vom Berliner Reichstag - ohne Verhüllung okay!© elxeneize / Fotolia.com

Grundsätzlich gilt beim Fotografieren von Gebäuden und Co.: Geknipst und veröffentlicht werden darf alles, was sich dauerhaft an öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen befindet. Nicht unter die Panoramafreiheit fallen zeitlich begrenzte Bauwerke oder Installationskunst wie der verhüllte Reichstag. Außerdem darf nur von öffentlich zugänglichen Plätzen aus fotografiert werden. Drohnenfotos etwa können schon wieder Ärger bereiten. Auch darüber hinaus sollte man sich schlau machen, denn es gibt immer Ausnahmen von der Regelung. So sind Bilder von Schloss Neuschwanstein für private Zwecke und soziale Netzwerke erlaubt, nicht aber für Fotoportale. Für die kommerzielle Nutzung braucht man ohnehin eine kostenpflichtige Genehmigung.

Andere Länder, andere Regeln

Außerdem sollte man daran denken, dass die Panoramafreiheit nicht überall gilt. So wie oben beschrieben greift die Panoramafreiheit nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Belgien, Frankreich, Italien, Griechenland und Luxemburg hingegen kennen diese Regelung gar nicht, andere Länder nur für den privaten Bildgebrauch. Vor Reiseantritt macht es also durchaus Sinn, sich noch einmal nach den Gepflogenheiten im jeweiligen Reiseland zu erkundigen.

Tarife FrankreichDer Eiffelturm – nur nachts eine rechtlich bedenkliche Angelegenheit.© ArTo / Fotolia.com

Ein oft bemühtes Beispiel für die Verletzung von Urheberrechten ist der nächtlich beleuchtete Eiffelturm. Tagsüber hingegen ich diese Lichtinstallation nicht zu erkennen, und der Eiffelturm ist frei zu fotografieren, da dessen Erbauer schon länger als 70 Jahre verstorben ist. Fotografieren darf man auch den nächtlichen Eiffelturm, für eine Veröffentlichung sollte man aber eine Genehmigung bei der Betreibergesellschaft SETE einholen, denn für die Installation zeichnet Lichtkünstler Pierre Bideau verantwortlich. Ähnliches gilt für das Brüsseler Atomium, dessen Rechte bei André Waterkeyn bzw. bei seinen Erben liegen.

Fotografieren im Museum

Besucht man ein Museum, sollte man ein Blick ins Hausrecht werfen. Hier darf die Museumsleitung entscheiden, ob und wie fotografiert werden darf. Häufig werden hier, oder auch in Kirchen oder Zoos, Regelungen wie etwa das Blitz-Verbot festgelegt. Neben der Museums-Ordnung ist selbstverständlich die Urheberrechts-Regelung zu beachten. So darf zeitgenössische Kunst nicht ohne weiteres abfotografiert und veröffentlicht werden, ein Bild von Monet hingegen schon.

Das Recht am eigenen Bild: Personen fotografieren

Besucht man berühmte Orte, lässt es sich selten vermeiden, dass fremde Leute mit auf den Fotos landen. Hier steht die Kunstfreiheit gegen den Persönlichkeitsschutz. Grundsätzlich kann man sich merken, dass das Ablichten von berühmten Personen (nicht in privaten Momenten!) in Ordnung ist. Personen des öffentlichen Interesses, wie etwa ein Sänger, der Fußball-Profi, der Papst oder bekannte Politiker, treten ein Stück weit ihr Recht am eigenen Bild ab.

Fremde Privatpersonen als Bildmittelpunkt, wie zum Beispiel das kleine Kind mit dem Eis oder den älteren Herrn auf der Bank, einfach so abzulichten ist rechtlich fragwürdig und geht nur mit Erlaubnis der fotografierten Person. Schließlich möchte man auch nicht von sich plötzlich ein Bild im Netz finden, von dem man keine Ahnung hat, wo es herkommt. Menschenansammlungen, -gruppen und nicht weiter identifizierbare Einzelpersonen wiederum darf man fotografieren und die Bilder dann auch veröffentlichen.

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