Achtung Kostenfalle

Mobilfunk in Grenznähe - wo ist Vorsicht geboten?

Ist man mit seinem Smartphone in Grenznähe in einem EU-Land unterwegs, können trotz Roaming-Regulierungen für das Surfen und Telefonieren hohe Kosten anfallen. Was sind dafür die Hintergründe und wie kann man sich vor zusätzlichen Kosten schützen?

HandytarifeBesonders in Grenznähe zum Nicht-EU-Ausland wie der Schweiz sollte man beim Surfen und Telefonieren aufmerksam sein.© Rawpixel.com / Fotolia.com

Bei der Nutzung des Smartphones ist bei der Wahl des Netzes in Grenznähe nie eine Landesgrenze, sondern immer der optimale Empfang das entscheidende Kriterium. Ausländische Funkmasten senden oft kilometerweit auf deutsches Gebiet aus. Ist ihre Signalstärke höher als die des heimischen Anbieters, verbindet sich das Handy automatisch mit dem ausländischen Netz, auch wenn sich das Gerät selbst in Deutschland befindet. Hier lauert eine Kostenfalle, aus der Mobilfunknutzer sich bis auf Weiteres noch selbst befreien müssen.

Wodurch entstehen Zusatzkosten in Grenznähe?

Die EU-weite Roaming-Regelung sieht vor, dass der Inlandstarif im EU-Ausland zu gleichen Konditionen genutzt werden kann. Gespräche, die ins Ausland geführt oder Datenverbindungen, die im Nicht-EU-Ausland hergestellt werden, sind allerdings weiter kostenpflichtig. Befindet sich das eigene Handy im ausländischen Netz, werden eingehende Anrufe als kostenpflichtiges Auslandstelefonat aus Deutschland weitergeleitet, wodurch Kosten entstehen können. Ob das Smartphone gerade mit einem ausländischen Mobilfunknetz verbunden ist, wird in der Regel mit einem "R" als Symbol auf dem Display angezeigt. Welches netz genau genutzt wird, kann im Menü unter Einstellungen – Netzwerk & Internet – Mobilfunknetz geprüft werden (gilt für Android).

Ursachen von Überreichweiten - technischer Hintergrund

Je moderner die verwendete Funktechnologie und die Reichweite der Funkmaste vor Ort, desto stärker das jeweilige Netz. Auch meteorologische und städtebauliche Faktoren haben Einfluss. Beispielsweise dringen Funksignale nur abgeschwächt durch ein Gebirge oder starke Bebauung. Umgekehrt begünstigen Hochdruckwetterlagen und ebene Wasserflächen die Ausbreitung von Funkwellen.

In welchen Regionen muss man besondere Vorsicht walten lassen?

Im Dreiländereck rund um den Bodensee bei Lindau, Konstanz oder Friedrichshafen genau wie im Mittelmeerraum auf den griechischen Urlaubsinseln des Dodekanes Kos oder Symi, die an der Grenze zum Nicht-EU-Nachbarland Türkei in der Ägäis liegen, sind Überreichweiten daher keine Seltenheit.

An der dänischen Grenze überschneidet sich ein starkes LTE-Netz zum Teil mit einem schwachen deutschem 3G-Netz und entlang der Oder und in Usedom sorgt die mangelhafte Netzabdeckung oft für eine unbemerkte Einwahl in die polnischen Netze.

Auch in den Grenzregionen des Schwarzwalds, im Saarland oder zwischen Belgien und den Niederlanden bei Aachen, kann plötzlich ein Hinweis auf einen ausländischen Netzanbieter auf dem Smartphone-Display zu sehen sein und der eigene Netzanbieter sollte warnen, dass bei der Einwahl ins fremde Netz Kosten entstehen können.

Besonders in Grenznähe zum Nicht-EU-Ausland wie der Schweiz oder während eines Urlaubs in Bulgarien oder Kroatien an den Grenzen zu Serbien, Bosnien oder Montenegro kann dann das Surfen und Telefonieren teuer für alle werden, die nicht aufpassen.

Was tun, um hohe Kosten zu vermeiden?

Nur, wenn sich das Gerät automatisch einwählen kann, tritt das Problem auf. Schalten Sie also in Grenznähe unbedingt über das Einstellungen-Menü die automatische Netzwahl aus und wählen Sie den Menüpunkt "manuelle Netzwahl". Sie sehen dann die verfügbare Auswahl aus Netzanbietern. Falls dort kein deutscher Provider gelistet wird, ist auch kein Empfang über einen heimischen Anbieter möglich.

Die manuelle Netzwahl setzt das Gerät vor eine Entweder-oder-Entscheidung: Ist das gewählte Netz vorhanden, findet die Einwahl statt und die Gebühren bewegen sich innerhalb der vereinbarten Grenzen. Findet das Gerät das manuell gewählte Netz nicht, ist kein Empfang möglich - aber dann entstehen auch keine unerwünschten Zusatzkosten.

Eine weitere Möglichkeit ist die Deaktivierung von Roaming, allerdings unterbindet das lediglich das Surfen in einem ausländischen Mobilfunknetz.

Was unternehmen Gesetzgeber und Netzanbieter, um das Problem zu lösen?

In Abstimmung mit den ausländischen Netzbetreibern verwaltet die Bundesnetzagentur als deutsche Regulierungsbehörde die europäischen Frequenzen. Sie soll sicherstellen, dass die Funkversorgung in den Grenzgebieten ausgewogen ist und Interferenzen vermieden werden. Überschreiten Funkzellen die Feldstärkengrenzwerte erhalten sie keine Frequenzzuteilung und dürfen nicht in Betrieb gehen. 17 nationale Telekommunikationsbehörden haben sich dazu auf ein Verfahren nach der sogenannten HCM-Methode (Harmonized Calculation Method) geeinigt.

Weil die Netzausbaupläne aber nicht in allen Regionen wie gewünscht vorankommen und durch topografische Gegebenheiten eingeschränkt sind, kann es dennoch dazu kommen, dass das Netz eines Netzbetreibers in ein Nachbarland einstrahlt.

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