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Sicherheits-Apps für Kinder: Tipps und Empfehlungen

Das Alter, in dem ein Kind sein erstes Smartphone bekommt, sinkt. Dadurch ergeben sich auch Probleme: Wie Sie Ihr Kind vor altersungerechten Apps, gewalthaltigen Inhalten und übermäßigem Konsum bewahren, ohne dieses vom Handy-Trend abzukapseln.

Kind mit Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Ebenso wie Computerspiele und Filme sind auch Smartphone-Anwendungen oftmals mit einer Altersempfehlung versehen. Der Erwerb und die Nutzung von Apps werden jedoch kaum bis gar nicht kontrolliert. So sind Apps in den drei großen Onlineportalen (App Store, Google Play Store und Microsoft Store) mit Altersempfehlungen versehen, doch eine Überprüfung besteht de facto nicht.

Das Problem mit Altersempfehlungen

Der laxe Umgang mit Altersbestimmungen überrascht nicht: Keines der Portale publiziert die Angaben, nach denen App-Entwickler ihre Inhalte einer Altersempfehlung zu unterziehen haben. Zudem wird kaum kontrolliert, wer sich welche App installiert. Der beliebte Messenger WhatsApp beispielsweise ist offiziell erst für Nutzer ab 16 Jahren geeignet, wird jedoch von Tausenden Kindern weit unter dieser Grenze genutzt.

Verstöße gegen Richtlinien sowie unangemessene Inhalte können zwar in systeminternen Bereichen der App-Portale gemeldet werden, doch um eine transparente sowie verpflichtende Kontrolle bemühen sich die Hersteller kaum. Lieber ziehen Anbieter und Entwickler den Nutzer beziehungsweise dessen Vormund in die Verantwortung.

Sicherheits-Einstellungen auf dem Smartphone

Google Play Jugendschutz Jugendschutzeinstellungen im Play Store© Billiger-Telefonieren.de

Sperren beziehungsweise Sicherheits-Apps, die den Download bestimmter Applikationen untersagen, sind hauptsächlich in den Systemeinstellungen der Geräte zu finden. Apple beispielsweise hat in sein Betriebssystem iOS den Punkt "Einschränkungen" integriert. Hier können mithilfe eines vierstelligen Codes spezifische Apps blockiert oder freigegeben werden. Ebenso können Apples Altersrichtlinien genutzt werden. So gelangen lediglich Inhalte aus einem ausgewählten Altersbereich aufs Handy.

Microsoft bietet mit der "Kinderecke" einen abgeschirmten Bereich, der in vielerlei Hinsicht individualisiert werden darf. Hier können von den Eltern Apps gelagert und Inhalte gespeichert werden. Die Kinderecke wird durch einen Code aktiviert. Allerdings birgt sie einen entscheidenden Nachteil: Das Kind wird stark eingeschränkt und kann zum Beispiel keinerlei Apps installieren. Auch Inhalte, etwa Fotos, kann es nicht ohne Weiteres ablegen geschweige denn erstellen.

Für Googles Android bieten sich im Play Store zahlreiche Kontrollfunktionen und ein Leitfaden für Eltern. Hier wird erklärt, wie man die Jugendschutzeinstellungen im Store verwendet und wie man speziell familienfreundliche Inhalte findet. Zu den Jugendschutz-Einstellungen gelangt man über "Einstellungen" > "Jugendschutzeinstellungen". Hier kann man getrennt für Apps & Spiele, Filme, Serien und Musik den Zugriff einschränken.

Kinder mit Smartphone und TabletKinder kennen sich heute schon früh mit Smartphone & Co. gut aus.© Natallia Vintsik / Fotolia.com

Tipp: Nutzen Sie die Einrichtung des Smartphones für Ihren Nachwuchs dazu, sich auch selbst tiefer in die Bedienung und Einstellungen des Mobiltelefons einzuarbeiten. Oft sind Kinder sehr früh schon den älteren Generationen voraus und erklären ihrerseits den Großeltern, wie sie ihr Hintergrundbild ändern oder über WhatsApp Bilder und Videos verschicken!

Surfverhalten kontrollieren mit Sicherheits-Apps

Das Handy bietet noch weitere Möglichkeiten, den Ausflug ins Internet jugendfreundlich zu gestalten. Das Zauberwort lautet: Filter! In allen App-Portalen sind Filter für Browser in Form von Sicherheits-Apps vertreten, doch Arbeitsweise und Effizienz variieren erheblich. So greifen manche Filter zum Beispiel auf Crowd-basierte Daten zu. Hier entscheidet die Masse, die Besucher einer Webseite, was kindgerecht ist und was nicht.

fragFinn fragFinn - Eine Suchmaschine mit kindgerechten Ergebnissen.© Billiger-Telefonieren.de

Mehr Vertrauen genießen Sicherheits-Apps für Kinder beziehungsweise Filter, die sogenannten "redaktionellen Klassifizierungen" folgen: Eine Jury der "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Inhalte" füllt diese Filter mit Positiv- und Negativlisten. Letztere werden blockiert. Unbekannte Seiten werden automatisch auf ihren Inhalt untersucht. Hierbei sorgen Algorithmen, die nach bestimmtem Wörtern suchen, für den nötigen Schutz. Eine Sicherheits-App dieses Typs stellt die Kinder-Suchmaschine fragFinn dar. Die App ist sowohl für Android- als auch iOS zu haben und mit einer kindgerechten sowie datenschutzkonformen Suchmaschine ausgestattet.

Auch Viren-Experte Kaspersky bietet eine Sicherheits-App für Kinder an: Kaspersky SafeKids gibt es in einer kostenlosen Basisversion und in einer Premium-Variante, für die Kosten anfallen. Mit der kostenfreien Version ist es möglich, Apps, Webseiten und bestimmte Suchergebnisse im Browser zu sperren. Außerdem kann man Zeitlimits festlegen und per Fernzugriff den Zugang zu Apps gewähren oder verweigern.

Apps zum Orten

Ein häufig angeführter Grund, dem Kind ein Smartphone zuzugestehen, ist die Kontrollfunktion per GPS-Ortung. Hier gibt es eine riesige Vielfalt an Apps, die darauf zielen, den Aufenthaltsort diverser Familienmitglieder zu erfassen und nachvollziehbar zu machen. Ein Beispiel ist Familie suchen, ein GPS-Tracker von Life360. Die Anwendung bietet Standortbenachrichtigungen, einen Gruppen.Chat und die Möglichkeit zum Teilen des eigenen Standorts.

Je nach Handy-Hersteller befinden sich Programme zur Lokalisierung auch schon an Bord. Samsung beispielsweise bietet einen kostenlosen Ortungsservice alias Find My Mobile. Eigentlich ist diese App zum Aufspüren von verlorenen oder gestohlenen Handys gedacht: Der Besitzer kann sein Gerät nicht nur orten, sondern ebenso eine Nachricht auf dem Bildschirm anzeigen lassen oder den Zugriff sperren. Mittlerweile dient "Find My Mobile" jedoch ebenso als Sicherheits-App für Kinder.

Zeitbegrenzung festlegen

Zeit© Mumpitz / Fotolia.com

Ganz gleich, ob mit dem Smartphone gechattet, gedaddelt oder gesurft wird: Ein vereinbartes Tageslimit sollte nicht überschritten werden. Dies muss klar kommuniziert, allerdings nur bedingt kontrolliert werden. Auf Android-Geräten bietet Google selbst mit Family Link eine App an, mit der Eltern die Gerätenutzung des Nachwuchses über Aktivitätsberichte im Blick behalten können. Zudem können sie Zeitbeschränkungen festhalten, etwa, dass das Handy zwischen 22 und 7 Uhr nicht benutzt werden kann. Mit gutem Beispiel gehen auch die Entwickler der App Menthal voran. Die Forscher der Uni Bonn haben mit ihrem System einen nützlichen Dienst geschaffen, der über die Dauer der Smartphone-Nutzung ebenso wie über das Telefonverhalten Aufschlüsse liefert, nicht nur für Kinder praktisch!

Mit Sicherheits-Apps allein ist es nicht getan

Hubschrauber-Eltern dürften in diesen Sicherheits-Apps nur Gutes sehen. Doch Vorsicht: Wenn der Nachwuchs sich ständig überwacht fühlt, kann das auch negative Folgen haben. Ungeachtet der zahlreichen Möglichkeiten, die Apps für eine kindgerechte Smartphone-Nutzung bieten, kommen dem Alter des Kindes, dessen Persönlichkeit und dem Vertrauen gegenüber diesem eine große Bedeutung zu. Beispielsweise warnen Medienforscher davor, heimlich Spionage-Apps zu nutzen. Vielmehr komme es auf klare Absprachen und Gespräche auf Augenhöhe an.

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