Technik

Fahrradhelme 4.0: Intelligenter Schutz dank Smartphone

Fahrradhelme sind uncool - schon mal gehört? "Echte Kerle" fahren ganz nach dem Motto: no risk, no fun. Unabhängig davon, wie kurzsichtig diese Einstellung auch sein mag - in Kürze könnten innovative Helme mit ausgefuchster Hightech-Ausstattung auch die hartnäckigsten Skeptiker überzeugen.

E-Bike© PR-DE/ Adobe.com

Fahrradhelme als Gehirn-Erweiterung - Nein, so weit ist es noch nicht! Noch greifen keine in den Helm integrierten Sensoren Gedankenimpulse ab und wandeln sie in Steuerbefehle um. Aber das, was heute schon möglich ist, unterstützt die Bike-Piloten bereits intensiv bei einer Reihe von Funktionen - vom Abbiegen bis zum Notruf. Im Zentrum steht natürlich häufig das Smartphone. Was ist heute bereits möglich?

Lumos-Helm mit eingebauten Bremslichtern

Ein Beispiel für Fahrradhelme der neuen Generation sind die Modelle von Lumos. Alle Modelle außer der Lite-Version sind an der Vorder- mit 10 und an der Rückseite mit 38 Leds ausgestattet, die Abbiegepfeile und Bremslichter darstellen können. Alle Funktionen lassen sich mittels einer Fernsteuerung am Lenker steuern. Über die Lumos-App auf dem Smartphone werden nicht nur die Batteriestände der einzelnen Komponenten angezeigt. Hier kann auch eingestellt werden, ob Benachrichtigungen zu den Akku-Reserven erfolgen sollen oder die gefahrenen Strecken samt Fitnessdaten getrackt werden sollen. Die Fahrradhelme von Lumos sind in mehreren Farben erhältlich und bieten bis zu sechs Stunden Akkulaufzeit - das reicht auch für längere Touren.

Eine Weiterentwicklung des Helms, der "Lumos Matrix" soll 2020 auf den Markt kommen. Er besitzt an der Vorderseite ein Display aus 22 LEDs, auf der Rückseite 77 Stück, die animierte Sequenzen abspielen kann.

Lumos Fahrradhelm Die Helme von Lumos verfügen über Blinklichter auf der Rückseite. © Lumos Helmet
Lumos Fahrradhelm-Steuerung Die Steuerung für die LED-Lampen im Helm wird am Lenkrad befestigt. © Lumos Helmet

Medizindaten für den Notfall

Für den harten Einsatz gedacht ist der Tectal Race SPIN NFC. Der Zusatz am Ende der Typbezeichnung lässt erkennen, wo es mit dem Kopfschutz hingehen soll: In den Helm ist ein NFC-Chip integriert, auf dem medizinischen Daten des Fahrers - wie Vorerkrankungen, Blutgruppe oder Allergien - gespeichert sind. Kommt es zum Schlimmsten und der Bike-Pilot ist nicht bei Bewusstsein, soll sich der Chip vom Notarzt einfach mit einem NFC-fähigen Smartphone auslesen lassen - ganz ohne Internetverbindung. Das kann genau den Zeitgewinn bedeuten, der über Leben oder Tod entscheidet. Über die kostenlose App soll sich der Chip per Smartphone nach ICAR-Norm bespielen (International Commission for Alpine Rescue) lassen.

Weitere Sicherheitsfeatures sind ein orangefarbenes AVIP-Element auf der Helm-Rückseite zur besseren Auffindbarkeit in unübersichtlichem Gelände und ein Spin-Polster aus Gel im Inneren. Zusätzliche Sicherheit bietet der Helm durch seinen tiefgezogenen Nackenschutz. Der Produktstart des Tectal ist für Herbst 2019 angekündigt.

Bike-Helm mit wachsamem Auge

Noch in der Crowdfunding-Phase befindet sich der Hightech-Fahrradhelm von Classon. Sein hervorstechendstes Merkmal sind zwei integrierte Dashcams. Sie zeichnen bei Bedarf den vorbeifließenden Verkehr auf und liefern damit astreines Beweismaterial bei schuldhaftem Verhalten rücksichtsloser Autofahrer.

Doch der Classon kann noch eine Menge mehr. Der vom Startup Brooklyness entwickelte Helm kann über die integrierte Kamera auch die toten Winkel des Bikes überwachen und per künstlicher Intelligenz auswerten. Die auf diese Weise ausgelösten Warnmeldungen werden auf verblüffend einfache Weise übermittelt: LEDs im Inneren des Helms sind am Rande des Gesichtsfelds wahrnehmbar und weisen auf nicht sichtbare Gefahren hin.

LED-Displays vorne und hinten am Helm lassen keine Signalwünsche offen. Erkennt der Trägheitssensor einen Bremsvorgang, lässt er automatisch die Bremslichter an der Rückseite aufleuchten. Das Blinken wird über Gestensteuerung und künstlicher Intelligenz ausgelöst: Hebt der Fahrer ganz konventionell den Arm, blinkt der entsprechende Abbiegepfeil auf dem vorderen Display.

So richtig los geht es aber erst nach der Kopplung mit der Classon-App auf dem Smartphone. Navigationshinweise werden direkt in den Helm eingespielt und in Lichtsignale umgewandelt. Kommt es zum Unfall, speichert die App alle relevanten Unfalldaten.

Im Grunde dürfte bei der Crowdfunding-Kampagne nichts mehr schiefgehen. Statt der anvisierten 30.000 Dollar hat das Startup mittlerweile stolze 149.000 Dollar eingesammelt. Dennoch scheint es zu haken. Der ursprüngliche Starttermin im Jahr 2017 ist längst vorbei. Letztes Update vom 11. Juli 2018 bei Helmheld24: Auslieferungsstart Ende 2018. Seither herrscht Funkstille. Dennoch lohnt geduldiges Abwarten, bis alle technischen Hürden überwunden sind.

Helme mit Telefon- und besonderer Navi-Funktion

Vernetztes Fahren hat sich Livall mit seinen Modellen MT1, BH60 und BH62 auf die Fahnen geschrieben. Die Helme verfügen über Beleuchtung zur besseren Wahrnehmbarkeit des Fahrers, Blink- und Bremsanzeigen und ein windschnittiges Design, das vor allem auf die vielen Belüftungsöffnungen zurückgeht.

Die integrierten Sensoren erkennen schwere Stürze und sind in der Lage, einen Notruf abzusetzen, wenn der Fahrer es nicht mehr selbst tun kann. Als einer von wenigen Herstellern integriert Livall auch Lautsprecher in seine Hightech-Modelle. Das eröffnet insbesondere in Kooperation mit dem Smartphone und der am Lenker befestigten Fernsteuerung ganz neue Anwendungswelten:

Per Walkie-Talkie-Funktion können Gruppen während der Fahrt über die integrierten Lautsprecher und das eingebaute Mikrofon miteinander plaudern. Auf dem selbst Weg lassen sich Telefongespräche direkt über den Helm führen. Auch die Sprachansagen des Navigationssystems gelangen auf diesem Weg an die Ohren des Piloten - sicher abgeschirmt von störenden Umweltgeräuschen.

Und noch einen wesentlichen Vorteil haben die Livall-Helme zu bieten: Sie sind bereits am Markt und käuflich zu erwerben - wenn sie nicht gerade ausverkauft sind.

Moderne Fahrradhelme: Mehr als nur ein Sturzschutz

Fahrradhelme entwickeln sich zunehmend zu Steuerzentralen für alle Abläufe, die auf dem E-Bike von Bedeutung sind. Sie überwachen den Fahrtverlauf und setzen bei Unfällen Notrufe ab. Über LED-Displays signalisieren sie den anderen Verkehrsteilnehmern, was der Biker vorhat - vom Abbiegen bis zum Bremsen. Sie übermitteln die Anweisungen des Navigationssystems vom Smartphone - je nach Modell optisch oder akustisch. Sie können über integrierte Kameras vor Gefahren im toten Winkel warnen oder beweiskräftiges Bildmaterial bei Unfällen aufzeichnen. Über Walkie-Talkie-Funktionen machen sie die Kommunikation zwischen mehreren Fahrern während der Fahrt möglich. Mit einem Wort: Moderne Fahrradhelme sind Kommunikationseinrichtungen und Sicherheitssysteme ein einem.

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