Abgespeckt

Kleiner Bruder im Test: Samsung Galaxy S4 Mini

Nicht jeder Smartphone-Besitzer kann sich mit einem 5-Zoll-Smartphone anfreunden, für eben diese Zielgruppe hat Samsung sein Flaggschiff abgespekt: Was das Samsung Galaxy S4 Mini zu bieten hat und ob es sein Geld wert ist, zeigt unser Test.

Samsung Galaxy S4 miniBeim Galaxy S4 Mini hat Samsung das Display im Vergleich zum großen Bruder um 20 Prozent verkleinert.© Samsung

Nichts geht über ein richtig schön großes Smartphone-Display: mehr Platz für Webseiten, ein größeres Bild bei der Videowiedergabe oder schlichtweg mehr Spaß beim Spielen. Andererseits bedeutet jeder zusätzliche Quadratzentimeter Mattscheibe auch mehr Gehäuse und Gewicht - und wer will schon einen halben Ziegelstein mit sich herum schleppen? Der Trend hin zu immer größeren Kalibern wie dem Samsung Galaxy S4 mit 5-Zoll-Monitor folgen daher weitaus nicht alle Kunden, manche mögen’s lieber kompakt. Folgerichtig präsentiert Samsung für diese Klientel nun mit dem Galaxy S4 Mini eine Schrumpfversion seines Topsellers: mit 4,3-Zoll-Bildschirm, 20 Prozent weniger Umfang und 22 Prozent weniger Gewicht. Vor allem haben solch kleinere Touchscreens den Charme, dass sie sich mit einer Hand wesentlich einfacher bedienen lassen. Das Interesse am S4 Mini dürfte daher ebenso stark sein wir am großen S4.

Galaxy S4 Mini mit neuem Panel

Allerdings schrumpften nicht nur die Maße von Korpus und Anzeige - von 62 x 110 auf 53 x 94 Millimeter um genau zu sein -, sondern auch die Auflösung wurde deutlich reduziert. Statt Full HD (1080 x 1920 Pixel) finden sich auf dem Mini lediglich 540 x 960 Bildpunkte ein, was zu einer Schärfe von gerade mal 103 statt 302 Pixel pro Quadratmillimeter führt (258 statt 442 ppi). Damit rangiert die Pixeldichte des S4 Mini fast ein Drittel unter dem Durchschnitt aller in den letzten zwölf Monaten getesteten Smartphones. Trotzdem fällt der Schärfeunterschied in der Praxis geringer aus als diese Zahlen glauben machen. Denn es kommt zwar wiederum ein AMOLED-Display zum Einsatz, die Bildpunkte leuchten also selbst anstatt wie bei klassischen LCDs von hinten illuminiert zu werden, was zu erstklassigen Kontrasten führt weil schwarze Pixel komplett ausgeschaltet werden. Doch ist das Panel des S4 Mini gänzlich anders aufgebaut als dasjenige des S4: Letzteres hat eine so genannte Diamond-Matrix, bei der abwechselnd ein grün-rotes und ein grün-blaues Subpixelpaar jeweils einen Bildpunkt erzeugen, allerdings dichter und regelmäßiger gepackt als beim Galaxy S III mit seiner Pen-Tile-Matrix beispielsweise. Im Gegensatz zu LCDs mit drei Subpixeln pro Pixel sind beide Strukturen unregelmäßiger, weshalb Kanten von geometrischen Figuren oder Buchstaben auf S III & Co. mehr ausfransen, alles wirkt ein wenig unschärfer. Das S4 Mini bedient sich hingegen der Stripe-RGB-Matrix: Rote, grüne und blaue Subpixel sind zwar nicht wie bei LCDs nebeneinander, sondern mit dem blauen Subpixel neben dem roten und grünen aufgebaut, aber ebenso im Rechteck angeordnet. Damit kommt das Bild demjenigen eines LCDs wesentlich näher, und die drei statt zwei Subpixel pro Bildpunkt minimieren den Unschärfe-Effekt zusätzlich. Kurzum: Auch das Samsung Galaxy S4 Mini stellt Fotos, Videos und Texte scharf dar, da macht sich der Unterschied zum S4 nur geringfügig bemerkbar. Alles im grünen Bereich.

Kleiner Bruder mit kleinem Prozessor

Den Prozessor haben die Entwickler ebenfalls ausgetauscht: Aus dem mächtigen Qualcomm Snapdragon 600 mit vier Kernen mit je 1,9 Gigahertz wurde ein Zweikerner mit 1,7 Gigahertz, der Snapdragon 400. Dieser wird von nur 1,5 statt 2 Gigabyte Arbeitsspeicher unterstützt. So überrascht es denn wenig, dass das Mini in den Benchmarks deutlich schwächer abschneidet als das S4: In der Gesamtwertung von zehn der bekanntesten Tests steht es gut 60 Prozent schlechter da. Umgekehrt handelt es sich beim S4 um das derzeit schnellste Smartphone am Markt, neben ihm sehen deshalb – mit Ausnahme des ebenfalls vom Snapdragon 600 angetriebenen HTC One – alle Konkurrenten schlecht aus. Vergleicht man den Wert des Mini mit der gesamten Konkurrenz, so liegt dieser immerhin 23 Prozent über dem Durchschnitt. Das kann sich doch wahrlich sehen lassen.

S4 Mini im Test: Ausdauernder Akku

Zumal eine niedrigere Spannung des Prozessors auch stets eine geringere Beanspruchung des Akkus bedeutet, denn diese steigt exponentiell zur Taktrate. Und weil der Stromspeicher des Mini mit 1.900 Milliamperestunden proportional zur Displaygröße exakt gleich dimensioniert ist wie beim S4 mit seinen 2.600 Milliamperestunden, kommt der Kleine damit länger über die Runden. Im Laufzeittest erzielt das Mini 548 Minuten in der Videowiedergabe bei maximaler Displayhelligkeit im Flugmodus, das ist nach dem Blackberry Q10 mit 3,1-Zoll-Display der zweitbeste Wert überhaupt. Das S4 erreichte in diesem Test 484 Minuten, was ebenfalls ein hervorragendes Ergebnis darstellt. Über die Beleuchtungsautomatik sowie den Energiesparmodus lassen sich die Laufzeiten sogar noch verlängern, wenn nicht im Gegenzug GPS-Navigation betrieben, Games gespielt oder ähnliche stromzehrenden Tätigkeiten langfristig vorgenommen werden.

Schnell unterwegs: Auch S4 Mini mit LTE

Die restliche Ausstattung des S4 Mini mit LTE, DC-HSPA für bis zu 42 Megabit pro Sekunde in UMTS-Netzen, NFC, Bluetooth 4.0, WLAN n inklusive 5-Gigahertz-Band und sogar dem neuen Standard WLAN ac entspricht exakt derjenigen des Originals. Lediglich USB On-the-Go beherrscht die Kompaktversion nicht, weshalb sich beispielsweise USB-Sticks nicht an die Micro-USB-Schnittstelle anschließen lassen. Das dürften die meisten Interessenten aber problemlos verschmerzen können.

Multimedial kaum Unterschiede zwischen S4 und S4 Mini

In der Abteilung Multimedia hat sich ebenfalls nichts Wesentliches geändert. Ja, die Auflösung der Kamera wurde von 13 auf 8 Megapixel reduziert, doch solange man die Aufnahmen nicht stark vergrößert, wirken sie beinahe ebenso scharf. Die Videos in Full HD (1920 x 1080 Pixel) sehen sogar exakt identisch aus - was jedoch keine gute Nachricht darstellt. Denn bereits beim S4 wurde die Komprimierungssoftware bemängelt, die beispielsweise für ein gewisses Grieseln um Details herum sorgt. Ferner zieht der Autofokus weiterhin ständig nach. Diesen kann man zwar durch einen Tipp auf den Touchscreen fixieren, doch verharrt er dann dort. Ein Schwenk von einem nahen auf ein fernes Motiv zum Beispiel erfordert mithin eine erneute manuelle Justierung, und die äußert sich jedes Mal in Form eines Wacklers im Bild. Die eine Methode ist deshalb so wenig optimal wie die andere. Der Klang des Musikplayers reicht hingegen an die Besten heran, da kommt Freude auf.

Samsung Galaxy S4 mini

Samsung Galaxy S4 mini

  • Betriebssystem Android
  • 8 Megapixel-Kamera
  • 4,3 Zoll Super-AMOLED Display
  • 8 GB Speicher

Verkraftbare Verluste beim S4 Mini

Die Handhabung ist weitgehend identisch mit derjenigen des S4, weshalb für die Details und Komfortfunktionen auf dessen Test verwiesen wird. Natürlich fällt das Mini mit 61 x 125 statt 70 x 137 Millimetern kompakter aus und wiegt auch nur 108 statt 130 Gramm, aber das war ja der Sinn der Übung. Dadurch lässt sich nicht nur wie bereits erwähnt der Touchscreen besser mit einer Hand bedienen, der Knirps kann auch einfacher in jedweder Tasche verstaut werden - auch wenn er mit 9,0 statt 7,9 Millimetern eine Spur dicker aufträgt. Verarbeitung und Design sind indes absolut identisch. Ein paar Kleinigkeiten haben sich dennoch geändert: So fehlt nun beispielsweise das taktile Feedback. Doch dank der Swype-ähnlichen Eingabehilfe "Durchgehende Eingabe" reicht es, über die virtuellen Buchstaben zu wischen anstatt sie einzeln anzutippen, womit sich die kurzen Rüttler eigentlich ohnehin überlebt haben. Darüber hinaus hat Samsung ein paar Sensoren eingespart, weshalb das Mini weder "Air View" noch die Gestensteuerungsfunktionen beherrscht. Somit gibt es auf dem Mini keine Vorschau-Anzeigen wenn der Finger über dem Bildschirm schwebt und auch Funktionen wie das Wedeln mit der Hand zum Scrollen durch Webseiten sucht man vergebens. Doch wie oft hat man tatsächlich nasse oder schmutzige Finger, sodass solche Einsätze zwingend wären? Die Auswirkungen dieser Verluste auf die Handhabungswertung sind daher minimal.

Fazit zum Samsung Galaxy S4 Mini

Die Rechnung geht auf: Das kleinere Display bringt einen Gewinn an Mobilität, die Reduktion der Auflösung fällt lediglich marginal ins Gewicht. Der Prozessor des Mini ist im Vergleich zum S4 zwar deutlich langsamer, aber immer noch weit überdurchschnittlich, weshalb allenfalls Gamer zwingend zum großen Galaxy greifen sollten. Für alle anderen reicht die Rechenpower des Mini locker - und sie bekommen im Gegenzug eine noch längere Akkulaufzeit. Kein schlechter Tausch. Das Fehlen einiger Komfortfunktionen dürften die Meisten nicht einmal bemerken, und die 8-Megapixel-Fotos gefallen fast ebenso gut wie die 13-Megapixel-Schnappschüsse des Originals. Nicht zuletzt sind mit LTE, DC-HSPA, WLAN ac, NFC und Bluetooth 4.0 sämtliche Funkstandards des S4 auch beim Mini an Bord. Allerdings kostet das Mini so kurz nach dem Start derzeit noch rund 400 Euro ohne Vertrag, während das S4 bereits auf 480 Euro gerutscht ist, was das Preisgefüge etwas verzerrt, sich aber im Laufe der nächsten Wochen regulieren dürfte. Das S III Mini hat gegen den neuen Knirps keine Chance, liegt aber inzwischen bei gerade mal 230 Euro und kommt daher trotzdem auf das beste Preis-Leistungs-Verhältnis aller vier Galaxys der 3er- und 4er-Reihe. Bleibt die Frage, ob man lieber zum S4 Mini oder zum S III greifen sollte, das nach mehr als einem Jahr momentan ab etwa 370 Euro zu haben ist. Damit steht der Senior augenblicklich besser dar, doch sobald der Preis für den Junior fällt, wird sich dieses Verhältnis umkehren. Dann entscheidet ganz einfach wieder die persönliche Vorliebe hinsichtlich der Größe von Touchscreen und Telefon.

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