Grundlagen

So funktioniert das Bezahlen mit dem Smartphone

Lange wollte das Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland nicht so recht Fahrt aufnehmen. Im Zuge der Corona-Krise bekommt das kontaktlose Bezahlen jedoch enormen Aufwind. Wir erklären die Grundlagen.

21.04.2020, 09:47 Uhr
NFC© AA+W / Fotolia.com

In Zeiten von Corona hat das Zahlen mit Karte, kontaktloses Zahlen generell und auch das mobile Bezahlen per Smartphone schnell an Bedeutung gewonnen: Auf der einen Seite bieten es immer mehr Geschäfte und Dienstleister an, auf der anderen wollen es immer mehr Kunden nutzen. Das betrifft auch Personen, die bislang das Zahlen per Bargeld bevorzugten. Es werden andere hygienische Maßstäbe beim Geldverkehr angesetzt, auch unabhängig davon, inwieweit Scheine und Münzen Überträger sein könnten: Viele Menschen fühlen sich durch kontaktloses Bezahlen sicherer.

In nahezu allen Läden, in denen mit Giro- oder Kreditkarte bezahlt werden kann, ist auch das mobile Bezahlen per Smartphone möglich. Dazu gehören große Supermärkte, Elektronikanbieter, Tankstellen-Shops, Fast-Food-Unternehmen und Drogeriemärkte ebenso wie viele kleinere Händler und Dienstleister, darunter z. B. einige Friseure. Bei Verkehrsunternehmen wie der Deutschen Bahn lassen sich Tickets auch via Smartphone erwerben, und an verschiedenen Orten am Parkscheinautomaten auf die gleiche Weise Parkberechtigungen.

ParkscheinautomatParkscheine und Bahntickets kann man zum Teil auch schon mit dem Handy bezahlen.© Guillaume DURIS / Fotolia.com

Die Technik: Mobiles Bezahlen über NFC

Meistens funktioniert das mobile Bezahlen mit dem Smartphone über den Funkstandard NFC (engl. Near Field Communication, deutsch: Nahfeldkommunikation). Mit NFC lassen sich Daten über eine Entfernung von einigen Zentimetern mit bis zu 424 Kilobit pro Sekunde übertragen. Der Transfer kann uni- oder bidirektional erfolgen, d. h., je nach Funktion und Technik wird die Information in Form eines NFC-Tags (oft auf einem Aufkleber oder einer Chipkarte) einseitig ausgelesen oder bewirkt einen Dialog zwischen den beiden beteiligten Geräten. Auch das kontaktlose Bezahlen per Kreditkarte funktioniert über NFC.

Die Hardware: NFC-Smartphone benötigt

Für das mobile Bezahlen mit dem Smartphone wird entsprechend ein Mobiltelefon benötigt, das mit einem NFC-Chip ausgerüstet ist. Höherpreisige Smartphones sind das in der Regel, in der Mittelklasse ist NFC ebenfalls schon häufiger zu finden. Außerdem funktioniert mobiles Bezahlen natürlich nur dort, wo der Händler bzw. Dienstleister ein NFC-fähiges Terminal bzw. Lesegerät eingerichtet hat.

Die Software: Bezahl-Apps

Das NFC-fähige Smartphone ist also die Grundausrüstung für das mobile Bezahlen; die gewählte Bezahl-App entscheidet über das genaue Verfahren. Nicht jede App unterstützt dabei jede Bank, sodass Kunden sich vorher schlau machen sollten, ob das gewünschte Geldinstitut dabei ist. Zu den Bezahl-Apps gehören u. a.:

Apple Pay (für Apple iOS) und Google Pay (für Android)

Apple Pay Apple Pay© Apple

Wer diese Apps nutzt, kann an der Ladenkasse kontaktlos zahlen, indem er - je nach Geräteausstattung und Wunsch - an seinem Smartphone die Zahlung mittels PIN, per Touch-ID oder Face-ID autorisiert. Ein Unterschied zwischen Apple Pay und Google Pay besteht darin, dass bei Apple die Daten zur Zahlung auf einer Art Tresor auf dem Smartphone selbst gespeichert werden. Dagegen verwaltet bei Google Pay das Unternehmen Google mit seinen Servern die Daten zum Kauf wie Betrag und Zeitpunkt. Damit eine Zahlung stattfinden kann, muss die jeweilige App mit einer Debitkarte, Kreditkarte oder Prepaid-Kreditkarte, deren Daten auf dem Smartphone vom Nutzer zu hinterlegen sind, zusammengeführt werden.

Sobald Apple Pay oder Google Pay eingerichtet sind, muss an der Ladenkasse zum Bezahlen das Smartphone lediglich an ein entsprechend NFC-fähiges Terminal bzw. Lesegerät gehalten werden und die Zahlung durch Autorisierung durch den Smartphonenutzer am eigenen Gerät freigegeben werden. Der Nutzer muss zum Bezahlen demnach gar keinen Kontakt mit einem Fremdgerät haben, was in Sachen Keim-Vermeidung noch sicherer ist, als die Kreditkarte mit PIN zu verwenden oder ins Lesegerät zu stecken.

Bezahl-Apps der Banken

Sie gelten allgemein als sichere Bezahlweise bezüglich Datenschutz. Doch auch bei ihnen ist die Funktionsweise nicht einheitlich. Zudem befinden sich manche von ihnen derzeit noch in einem Prozess der Einrichtung. Das betrifft auch die Kooperation der Banken mit Apple, Google und anderen Unternehmen. Neben dem mobilen Bezahlen mit dem Smartphone per Banken-App gibt es nach wie vor den Standard des bargeldlosen Bezahlens mit Giro- oder Kreditkarte. Auch dies funktioniert per NFC kontaktlos und ohne PIN, sofern man unter einem bestimmten Betrag bleibt.

Edeka: Bezahl-App ohne NFC

Edeka App Marktsuche in der Edeka-App: Wer bietet Bezahlen per Handy an?

Ein Verfahren, welches ohne NFC auskommt, wird beispielsweise bei Edeka angewendet: Der Kunde lädt im Google Play Store bzw. im Apple App Store eine App auf sein Smartphone und legt in ihr ein Profil an, unter Angabe u. a. einer E-Mail-Adresse. Dorthin wird ein Aktivierungslink geschickt, und nach der Eingangsbestätigung durch den Kunden wird ein Benutzerkonto für das Sammeln von Coupons angelegt. Um im Laden mobil zahlen zu können, muss dieses Benutzerkonto mit Kontodaten, einer Sicherheits-PIN und der Registrierung beim Zahlungsdienstleister des Händlers vervollständigt werden. Anschließend erfolgt nach einer Sicherheitsprüfung die Freischaltung zum mobilen Bezahlen bei Edeka-Laden und in weiteren Märkten, z. B. Netto und Marktkauf, die ebenfalls Valuephone-Partner sind.

An der Kasse kann die Kassenkraft in ihrem Terminal die Markt-App als Zahlweise wählen. Der Kunde lässt auf seinem Smartphone einen Code generieren, welchen die Kassenkraft in das Terminal eingibt. Das war's, auch den Kassenzettel erhält der Kunde in digitaler Form in der App. Mobile Bezahlverfahren wie das eben Beschriebene bedeuten für die Händler das Sammeln von Daten, während der Kunde Informationen zu Sonderangeboten etc. erhält. Derartige Bezahl-Apps zählen damit auch zu den Kundenbindungsinstrumenten.

Bezahlen mit Payback Pay

Auch Payback als Unternehmen für die Erhebung von Kundendaten von rund 700 Partnerunternehmen innerhalb Deutschlands bietet seit 2016 eine Bezahl-App an. Diese kann sogar auf zweierlei Weise eingerichtet werden, für die Erzeugung eines QR-Codes und damit NFC-unabhängig sowie - mit dem Betriebssystem Android und bei ausgewählten Händlern - für die Bezahlung per Near Field Communication.

Payback Pay Infografik So funktioniert Payback Pay mit QR-Code.© PAYBACK GmbH

Ein Markt in Bewegung

Die vorgestellten Bezahl-Apps sind nur relevante Beispiele, es gibt noch weitere wie zum Beispiel Samsung Pay, welches Stand Anfang 2020 aber noch nicht in Deutschland angekommen ist. Der Markt ist jedoch ständig in Bewegung. Auch die großen Mobilfunkanbieter hatten bereits vor Jahren ihre eigenen Lösungen fürs mobile Bezahlen, diese wurden jedoch damals aufgrund der geringen Nutzerzahlen eingestellt. Die aktuelle Entwicklung kann durchaus dafür sorgen, dass die Zahl der Anbieter mobiler Bezahllösungen wieder stark steigt.

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