Altersfrage?

Ab wann das Kind zum Smartphone greifen darf

Das Smartphone gehört ganz selbstverständlich in die Tasche der meisten Menschen, bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich. Das gilt gerade für Kinder. Ab welchem Alter also sollte das Kind mit dem eigenen Smartphone hantieren dürfen?

Kind mit Smartphone© goodluz / Fotolia.com

"Aber die anderen haben auch eins!" Mit diesem Argument versuchen in Deutschland wahrscheinlich tagtäglich Tausende Kinder, ihre Eltern zum Smartphone-Kauf zu überreden. Ab welchem Alter sollte man seinem Kind ein solches Multimedia-Telefon erlauben?

Je nachdem, welche Studie man zugrundelegt, kann man grob davon ausgehen, dass mit elf Jahren rund zwei Drittel, spätestens mit 14 Jahren mehr als 90 Prozent der Kinder/Jugendlichen mit einem Smartphone ausgestattet sind. Eltern stehen daher vor dem Dilemma, ihre Kinder sowohl vor eventuellen Ausgrenzungen als auch vor Gefahren im Internet bewahren zu wollen. Eine Möglichkeit, für Klarheit zu sorgen, bieten Elternstammtische im Klassenverbund. Doch einen Konsens zu finden und die Vereinbarungen vorzuschreiben, geschweige denn zu überprüfen, ist schwer.

Eine Frage der Einstellung

Ausschlaggebend beim Thema Smartphone-Nutzung bei Kindern ist die Persönlichkeit. Ist das Kind zu jung und zu unerfahren oder nicht selbstsicher, droht der Druck von außen: Was in der Clique als cool gilt, wird ebenfalls als cool eingestuft. Dazu gehören das Schauen brutaler Videos, das Mobben anderer Schüler/innen und die schlichtweg zu häufige Nutzung des Smartphones und die damit einhergehende Ablenkung. Erhält das Kind jedoch zu spät sein eigenes Smartphone, bewirken Ratschläge und Vereinbarungen das Gegenteil: Gerade in der Trotzphase können schon Nebensächlichkeiten zu ungeahnten Streitereien führen; das Thema Smartphone mutiert schnell zum Dauerstreitpunkt.

Regeln aufstellen für die Smartphone-Nutzung

Um dem Handy-Kleinkrieg seine Waffen zu nehmen, ist es empfehlenswert, die Nutzung zu erlauben, aber abhängig vom Alter Regeln aufzustellen. Eine Nutzung von 1 bis 2 Stunden am Tag kann ebenso dazugehören wie der Ausschluss bestimmter Webseiten und der Verzicht auf bestimmte Apps (Stichwort "Tinder") sowie In-App-Käufe. Nicht ohne Grund sind einige Apps mit Altersempfehlungen versehen! Durch diverse Sicherheits- und Jugendschutzeinstellungen auf dem Smartphone selbst kann der Erziehungsberechtigte auch direkt Einfluss nehmen.

Mama und Papa dürfen dabei durchaus schauen, in welchem Rahmen der Schützling zum Smartphone greift, doch eine gewisse Privatsphäre sollte dem Kind auch zugestanden werden. Wer mit Stoppuhr und Protokoll hinter dem Nachwuchs steht, beweist nicht gerade Vertrauen.

Noch ein Wort zur Sicherheit: Auch wenn der Nachwuchs argumentiert, dass diese Helfer das Tempo des Geräts drosseln und das Zocken interessanter Games verhindern würden, sollten Sicherheitslösungen und Anti-Viren-Programme, etwa von Avira oder Kaspersky, im Hintergrund werkeln. Die Mehrbelastung für CPU und GPU ist bei diesen Apps verschwindend gering; aktuelle Smartphones kommen mit Multitasking-Aufgaben bestens zurecht.

Gibt es das richtige Alter fürs erste Smartphone?

Ein optimales Alter, in dem ein Kind sein eigenes Smartphone bekommen sollte, gibt es nicht! Einen guten Richtwert stellt der Altersbereich zwischen elf und 14 Jahren dar. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich das Kind noch vor der aufkeimenden Teenager-Rebellion, hat dennoch eine eigene Meinung sowie Persönlichkeit entwickelt und ist darauf bedacht, mit den Eltern ein gutes Verhältnis zu pflegen. Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel; unter bestimmten Bedingungen ist ein früherer oder späterer Startschuss sinnvoll. Klare Regeln, für Kind und Eltern, sind allerdings auch in diesen Fällen unverzichtbar. Für noch jüngere Kinder tut es auch erstmal ein Handy, mit dem es im Notfall seine Eltern anrufen kann, das aber nicht zu stundenlangem Chatten und Videoschauen verführt.

Smartphone fürs Kind: Die Kostenfrage

Wenn geklärt ist, ob das Kind ein Smartphone bekommen darf, ist die nächste Frage wahrscheinlich die, welches Gerät es sein soll. Das dürfte insbesondere für die Kostenfrage von Interesse sein. Die Preisspanne reicht von knapp 100 Euro für ein Einsteiger-Smartphone bis zu 700, 800 und mehr. Diesen Betrag werden viele Eltern beim ersten Smartphone nicht investieren wollen, ob sie es nun können oder nicht. Hier spielt nicht nur die Person des Kindes eine Rolle, sondern auch die finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Zu bedenken ist dabei auch, dass Smartphones heute oft nach nur zwei Jahren ausgetauscht werden.

Wenn Wunsch und Investitionsbereitschaft weit auseinanderklaffen, wäre es eine Option, einen bestimmten Betrag zur Verfügung zu stellen. Das Kind darf bis zu dieser Summe ein Smartphone auswählen oder es spart den Rest zum Wunschgerät selbst zusammen (oder muss bis Weihnachten warten). Alternativ kann auch ein gebrauchtes Smartphone angeschafft oder durch die Familie "durchgereicht" werden.

Passende Tarife für Kinder

Schließlich fehlt noch der passende Tarif. Obgleich der Griff zum Vertrags-Smartphone zunächst verlockend erscheinen mag, entpuppt sich der getrennte Kauf von Smartphone und SIM-Karte vom Discounter meist als die preiswertere Variante. Verliert das Kind das Smartphone, ist die Karte schnell gesperrt und man muss nicht weiter abbezahlen, was man nicht mehr nutzen kann. Ein Prepaid-Tarif empfiehlt sich durch die Möglichkeit der Kostenkontrolle. Hier kann man auch durchaus einen Tarif mit Grundgebühr wählen, allerdings sollte man schauen, dass nicht automatisch Guthaben nachgeladen wird, sobald es unter einen bestimmten Betrag fällt.

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