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Knipsen wie die Profis: Smartphone-Kamera manuell einstellen

Smartphone-Kameras können heute ganz schön viel und ersetzen immer häufiger die Digitalkamera. Wer wirklich ambitionierte Bilder mit seinem Telefon schießen will, sollte sich mit den manuellen Einstellungen befassen. Was hier möglich ist, erklären wir anhand praktischer Beispiele.

Smartphone Fotos© Pakhnyushchyy / Fotolia.com

Smartphone-Kameras sind in den letzten Jahren immer hochwertiger geworden. Um die Technik perfekt nutzen zu können, haben sich natürlich auch die Programmmodi beim Fotografieren erweitert. Viele Smartphone-Kameras bieten daher neben den gängigen Programmautomatiken mittlerweile auch einen manuellen Modus, kurz M-Modus, an – hier kann der Smartphone-Fotograf der Kamera ganz genau sagen, was sie tun soll und so seine Aufnahmen ganz bewusst gestalten.

Kamera-Funktionen über Apps nachrüsten

Wenn die Smartphone-Kamera nicht von Haus aus einen manuellen Modus hat, kann man diesen via App nachrüsten. Manche Smartphone-Kameras bieten in der mitgelieferten Kamera-App auch einzelne Funktionen an. So lassen sich beispielsweise einzelne Elemente festlegen, auf die man gerade besonders Wert legt, die restlichen Einstellungen übernimmt das Smartphone.

Wer sich eine separate Kamera-App herunterladen möchte, die alle verfügbaren Einstellmöglichkeiten zugänglich macht, findet für Android etwa Manual Camera für knapp drei Euro im App Store. Apple-Nutzer zahlen für ProCamera rund fünf Euro. Natürlich muss man seine Smartphone-Kamera nicht immer komplett manuell einstellen. Die Programmautomatiken bleiben verfügbar und sind besonders praktisch, wenn es mal schnell gehen muss und man die manuelle Einstellung noch nicht intuitiv beherrscht.

Kamera-SmartphoneEinfach draufhalten und knipsen kann jeder. Wenn man die Möglichkeiten seiner Smartphone-Kamera kennt, macht das ganze aber noch mehr Spaß.© nito / Fotolia.com

Das ermöglicht die manuelle Einstellung der Kamera

Wer den manuellen Modus bei seinem Smartphone auswählt und einfach losfotografieren möchte, wird schnell feststellen, dass die Ergebnisse häufig nicht ganz passen. Zu hell, zu dunkel… das liegt daran, dass im M-Modus die Kamera keine Einstellungen mehr selbst trifft. Das muss der Smartphone-Fotograf machen. Das Spiel mit den drei Belichtungsfaktoren ist am Anfang etwas verwirrend, wenn man aber erst mal mit Blende, Verschlusszeit und ISO-Wert umgehen kann, eröffnet sich ein ganz neues Feld in der Smartphone-Fotografie. So wird der spielende Hund plötzlich knackscharf im Sprung abgelichtet, die Lagerfeuerstimmung bleibt erhalten und die Wasserfontäne des Brunnens zeichnet sich klar vor einem weichen Hintergrund ab.

Die Belichtungsfaktoren kennenlernen

Um den M-Modus des Smartphones zu beherrschen, muss man die drei Belichtungsfaktoren und deren Aufgaben kennen. Je nach Einstellung der drei Werte kommt weniger oder mehr Licht auf den Bildsensor. Die Aufgabe des Smartphone-Fotografen ist es, die drei Werte so aufeinander abzustimmen, dass genau die richtige Menge an Licht auf den Sensor trifft. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Schauen wir uns die Belichtungsfaktoren und die nötigen Einstellungen der Smartphone-Kamera erst einmal einzeln an:

Die Verschlusszeit – schnelle Bewegungen einfrieren

Die Verschlusszeit bestimmt darüber, wie lange Licht auf den Bildsensor trifft. Dieser Vorgang kann mehrere Sekunden dauern oder innerhalb von Sekundenbruchteilen abgeschlossen sein. Möchte man ein schnelles Objekt scharf ablichten, ist es nötig, eine schnelle Verschlusszeit (etwa 1/250 oder schneller) zu wählen. Der Preis dafür ist, dass das Licht nur ganz kurz auf den Sensor fallen kann, weshalb das Bild gegebenenfalls zu dunkel wird.

Möchte man bewusst Bewegungen zeigen oder bei sehr schlechten Lichtverhältnissen fotografieren, wählt man die Verschlusszeit länger (beispielsweise 1/30 oder länger). So kann über längere Zeit Licht auf den Sensor fallen, das Bild wird heller, Bewegungen hingegen verschwimmen. Ab einer gewissen Verschlusszeit bekommt man außerdem Probleme mit Verwacklern, weil man das Smartphone während der Aufnahme nicht mehr ruhig genug halten kann. Hier hilft die Verwendung eines Stativs oder das Auflegen der Hand auf festem Untergrund.

Merke

Lange Belichtungszeiten (z.B. 1/30) lassen Bewegungen verschwimmen, lassen länger Licht auf den Sensor.

Kurze Belichtungszeiten (z.B. 1/250) frieren Bewegungen ein, lassen kurz Licht auf den Sensor.

Wasserfall

Die lange Belichtungszeit zeigt das Fließen des Wassers.

Wasserfall

Die kurze Belichtungszeit lässt jeden Tropfen in der Luft einfrieren.

Die Blende – bei Smartphone-Kameras häufig eingeschränkt

Mit der Blende lässt sich die Tiefenschärfe des Bildes bestimmen – also wie schnell das Bild außerhalb des Fokus unscharf wird. Soweit die Theorie. In der Praxis haben Smartphone-Kameras jedoch meist eine festgelegte Blende. In diesem Fall ist die Blende immer gleich weit geöffnet und lässt immer die gleiche Menge Licht auf den Sensor fallen. Je kleiner die Blendenzahl ist, desto mehr Licht erreicht den Sensor. Wegen der festgelegten Blende entfällt das Spiel mit der Tiefenschärfe und es fehlt eine wichtige Stellschraube, um die Helligkeit des Bildes zu regulieren. Daher bieten viele Smartphone-Kameras eine Helligkeitsskala an: Diese Skala reicht häufig von -2 bis +2 und ermöglicht das Abdunkeln (in den Minus-Bereich) beziehungsweise Aufhellen (in den Plus-Bereich) des Bildes.

Der ISO-Wert und die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors

Der dritte Belichtungsfaktor ist der ISO-Wert. Dieser bestimmt über die Lichtempfindlichkeit des Bildsensors. Wählt man einen niedrigen ISO-Wert (etwa ISO 100), ist der Sensor wenig lichtempfindlich, die Bildqualität hingegen hervorragend. Je höher man den ISO-Wert wählt, desto weniger Licht benötigt man, um korrekt belichtete Fotos zu schießen. Allerdings tritt mit zunehmender ISO-Zahl (beispielsweise ISO 800) das berüchtigte Bildrauschen auf, welches die Bilder körnig wirken lässt. Am besten man testet selbst aus, ab welcher ISO-Einstellung die Bildqualität nachlässt, da dies kameraabhängig ist.

Merke

Hohe ISO-Werte (z.B. ISO 800) lassen den Bildsensor lichtempfindlicher werden. Darunter leidet jedoch häufig die Bildqualität.

Niedrige ISO-Werte (z.B. ISO 100) lassen den Bildsensor weniger lichtempfindlich werden. Die Bildqualität ist hoch.

Wald bei Nacht

ISO 1000

Die Aufnahme mit hohem ISO-Wert zeigt eine gewisse Körnigkeit, das Bildrauschen.

Wald bei Nacht

ISO 200

Mit niedriger ISO-Zahl verschwindet das Grieseln, die Bildqualität wird feiner.

Weitere manuelle Einstellungsmöglichkeiten

Neben den Belichtungsfaktoren lassen sich häufig noch andere Dinge bei der Smartphone-Kamera manuell einstellen. So etwa der Weißabgleich und damit die Farbtemperatur des Bildes. Damit die Bilder natürlich aussehen, bestimmt die Kamera in jedem Bild einen weißen Punkt, anhand welchem die Farbgebung des gesamten Bildes festgelegt wird. Manchmal klappt das nicht so ganz und die Bilder wirken zu kalt (bläulich) oder zu warm (rötlich). Mit dem manuellen Einstellen des Weißabgleiches lässt sich das verhindern. Bei Sonnenlicht etwa ist ein anderer Farbabgleich durchzuführen als bei bewölktem Himmel oder gar Kunstlicht – die Kamerasoftware hat hier grundsätzlich passende Modi zur Auswahl.

Das Spiel mit den Belichtungsfaktoren

Kennt man nun die Aufgaben der Belichtungsfaktoren, kann man beginnen, mit diesen zu spielen. Ziel ist es, alle Faktoren so ins Gleichgewicht zu bringen, dass ein korrekt belichtetes Bild entsteht. Zu Beginn wird einem das noch etwas schwer fallen, Durchhaltewillen wird am Ende jedoch mit besserer Kamerakontrolle und damit besseren Bildern belohnt. Einige Beispiele:

Der spielende Hund ist schnell. Um ein scharfes Bild zu erhalten, sollte man eine hohe Belichtungszeit (möglichst über 1/400) wählen. Die anderen Werte passt man nun so an, dass die Belichtung stimmt. Durch die hohe Verschlusszeit ist es denkbar, dass das Bild zu dunkel wird – dem wirkt man mit einem Erhöhen des ISO-Wertes und mittels der Helligkeitsskala entgegen.

Spielender Hund

Belichtungszeit 1/250

Für den schnellen Hund reicht die Verschlusszeit noch nicht aus – er wird in der Bewegung unscharf.

Spielender Hund

Belichtungszeit 1/2000

Der Fotograf hat die Belichtungszeit deutlich verkürzt, der Hund bleibt selbst im Sprung scharf.

Beim Springbrunnen möchte man genau das Gegenteil. Fließendes Wasser kommt besonders schön zur Geltung, wenn man mit einer langen Belichtungszeit (möglichst unter 1/50) arbeitet. Da auf diesem Weg recht lange Licht auf den Sensor trifft, würde das Bild mit hoher Wahrscheinlichkeit zu hell werden – mit den anderen beiden Werten muss gegengesteuert werden. ISO so weit wie möglich runter, damit die Lichtempfindlichkeit des Sensors abnimmt. Ist das Bild immer noch zu hell, hilft das Verschieben der Helligkeitsskala in den Minus-Bereich.

Um die schöne Lichtstimmung des Lagerfeuers zu erhalten, ist Blitzen tabu. Da wenig Licht zur Verfügung steht, verlängert man die Verschlusszeit so weit, wie es noch möglich ist, ein scharfes Bild zu schießen – oder man benutzt ein Stativ. Vermutlich wird das Licht trotzdem noch nicht ausreichend sein, um viel auf dem Bild zu erkennen, was das Hochsetzen des ISO-Wertes und das Verschieben der Helligkeitsskala in den Plus-Bereich nötig macht. In dieser Situation kann es außerdem hilfreich sein, den Weißabgleich selbst zu treffen.

RAW-Format für mehr Bearbeitungsspielraum

Manche Smartphones bieten zudem die Möglichkeit, die geschossenen Bilder im sogenannten RAW-Format zu speichern. Das ist besonders für alle interessant, die ihre Bilder nachbearbeiten wollen. Im RAW-Format werden alle verfügbaren Daten der Kamera gespeichert, es werden keine Informationen weggeworfen, wie bei jpg oder tiff. So erhält man zwar große Bilddateien, hat hinterher jedoch einen größeren Bearbeitungsspielraum. Hat man beispielsweise ein jpg-Bild, in welchem viele dunkle Bildelemente schwarz erscheinen, kann man nur innerhalb enger Grenzen etwas daran ändern. Liegt das Bild im RAW-Format vor, lassen sich die schwarzen Bereiche häufig noch deutlich aufhellen.

Lightroom von Adobe Photoshop ist unter anderem eine sehr gute RAW-Bearbeitungssoftware. Für Smartphonenutzer gibt es die App kostenlos für Android und iOS.

Kreidefelsen

Die Struktur des Waldes geht im Schwarzen verloren, die Wolken bilden eine helle Masse.

Kreidefelsen

Fotografiert man in RAW, lassen sich die Details von Wald und Wolken dank Nachbearbeitung wiederbeleben.

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