Umgekrempelt

Wie Smartphones unseren Alltag verändern

Technik verändert die Welt – ein jüngeres Beispiel ist die Entwicklung des Smartphones. Über 80 Prozent der Deutschen nutzen diese Geräte und schon in der Altersgruppe von 12 bis 13 Jahren verwenden 61 Prozent Smartphones. Dass sich daraus Veränderungen im Alltag ergeben, erklärt sich von selbst – aber in welchen Bereichen?

WhatsApp ChatsSmartphone haben unseren Alltag erobert - und drücken ihm ihren Stempel auf.© nenetus / Fotolia.com

Die Sache mit der Erreichbarkeit

Auch Mobiltelefone, die nicht "smart" waren, sorgten in den 1990ern schon für mobile Erreichbarkeit. Mit einem Unterschied: Ausschließlich Telefonie und SMS-Nachrichten standen als Werkzeuge bereit. Mit Aufkommen der Smartphones inklusive Internet über UMTS und LTE waren die Voraussetzungen geschaffen, um eine Erreichbarkeit auch über das wichtigste Kommunikationsmedium unserer Zeit zu garantieren – das Internet. Instant Messenger, E-Mails, soziale Netzwerke und ähnliche Kanäle erlauben es uns, andere Personen auf der anderen Seite der Welt permanent zu kontaktieren – Offline-Zustellung von Nachrichten sei Dank. Wer ein Smartphone in der Tasche hat, kann heute innerhalb von Sekunden auf die unterschiedlichsten Varianten kontaktiert werden.

Negative Auswirkungen der Erreichbarkeit

Nicht jede Folge dieser vermeintlich positiven Eigenschaft ist wirklich wünschenswert: Arbeitnehmer empfangen auch nach Arbeitsende noch E-Mails oder WhatsApp-Nachrichten vom Chef, der vielleicht "noch mal eben kurz was besprechen" will. Die Grenzen zwischen Privatleben und Beruf verschwimmen, wenn dasselbe Gerät beide Welten miteinander verknüpft. Dies birgt auch Risiken – Stichwort Burnout. Mehrere Unternehmen sind inzwischen dazu übergegangen, Mitarbeitern ein explizites Verbot von Arbeit nach Dienstschluss zu erteilen, um diese Gefahr einzudämmen.

Zudem kann eine gewisse Abhängigkeit entstehen. Wie oft holt man sein Handy aus der Tasche, um zu schauen, ob Nachrichten eingegangen sind? Wie oft hat man das Smartphone neben sich auf dem Tisch liegen und schaltet trotzdem immer mal wieder das Display an, damit man auch nichts verpasst? Die Gefahr besteht auch bei Kindern und Jugendlichen, denn auch sie wollen permanent zu erreichen sein. So ist das Handy ständig dabei, um auch abends im Bett noch Nachrichten zu senden.

Smartphones ersetzen andere Geräte

Da vieles nun mit dem Smartphone erledigt werden kann, hat das natürlich auch Auswirkungen auf den Elektronikmarkt. Digitalkameras beispielsweise haben es schwer gegen die Konkurrenz in Form von hochwertigen Smartphone-Kameras. Auch Radio, Wecker, MP3-Player & Co. werden vielfach einfach nicht mehr benötigt, weil das Smartphone alle diese Funktionen in sich vereint. Sogar auf Navigationsgeräte kann der ein oder andere verzichten: Einfach das Smartphone in die Halterung gesteckt und schon kann dank GPS und diverser Karten-Apps navigiert werden.

Spielen: Volkssport statt Nerd-Nische

Früher waren es die Teenager, die im Keller ohne Freunde ungepflegt vor Computern saßen und aus heutiger Sicht krude designte Spiele gespielt haben – so wollte es jedenfalls das Klischee. Aus dieser Ecke ist Gaming inzwischen entwachsen: 17,3 Millionen Deutsche spielten 2016 auf Smartphones, der Markt wuchs in diesem Jahr um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die vergleichsweise gute Leistung gepaart mit der ständigen Verfügbarkeit der Smartphones hat diese Geräte auch zur ernsthaften Konkurrenz klassischer Gaming-Medien wie Konsolen und PCs gewandelt – aus Sicht "echter" Spieler reicht das vielleicht nicht, aber für den ein oder anderen Gelegenheitszocker ist die Konsole ein weiteres entbehrliches Elektronikgerät geworden.

Folgen der Informationsflut

Die permanente Verfügbarkeit von Informationen, die das Smartphone bereitstellt, ist ein weiterer Bereich, in dem der Alltag sich verändert (hat). Informationen über beliebige Themen sind nur noch einen Handgriff entfernt. Gleichzeitig ist es schwer, aus der Fülle der Informationen diejenigen mit einem hohen Wahrheitsgehalt herauszufiltern, ein generelles Problem im Internet. Soziale Plattformen wie Facebook, Instagram, YouTube & Co. liefern eine Flut an Informationen, aber es gibt keine Instanz, die Wahrheiten von "Fake News" trennt. Auch verlagern wir die Informationshoheit in die Hände einiger weniger großer Unternehmen. Der Bedarf an einem sensiblen Umgang mit Daten dieser Art ist daher mehr denn je gegeben.

Der Preiskampf bricht aus

Zuletzt leidet und profitiert auch die Wirtschaft gleichermaßen davon, dass das Smartphone sich im Alltag "breitmacht". Die Profiteure des Smartphone- und Internet-Booms sind Online-Händler – allen voran die global etablierten Unternehmen wie Amazon. Es ist einfacher als jemals zuvor, Preise zu vergleichen und gewünschte Produkte jederzeit in Sekundenschnelle zu bestellen. Gleichzeitig stellt dies den kleineren Einzelhandel vor Probleme, da z.B. privat geführte Geschäfte weder mit den Preisen noch der Produktvielfalt von Online-Händlern konkurrieren können. Gerade das profitable Weihnachtsgeschäft hat sich derart in den Online-Markt verlagert, dass selbst die Paketdienste über die Belastung klagen – obwohl sie damit ihr Geld verdienen.

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