Alternativen

WhatsApp ist nicht der einzige Messenger

Auch wenn WhatsApp mittlerweile beinahe Synonym für das Versenden von Kurznachrichten steht, so gibt es einige alternative Messenger, die mit mehr Sicherheit oder einem größeren Funktionsumfang auf sich aufmerksam machen. Wir stellen einige vor.

SMSWhatsApp ist wohl die beliebteste Alternative zur SMS. Doch es gibt noch zahlreiche weitere Messenger.© BestPhotoStudio / Fotolia.com

Seitdem Facebook der Eigentümer von Whatsapp ist, befürchten Datenschützer sowie Nutzer, dass die Daten auch von dem Sozialen Netzwerk genutzt werden. Für einige mag der ausschlagende Punkt sein, sich von dem Mark-Zuckerberg-Imperium zu emanzipieren, andere suchen einen Weg auch sensible Daten austauschen zu können oder möchten einfach ein wenig Abwechslung. Grundlage all dieser Gedanken ist aber auch immer, dass diejenigen, mit denen man chatten möchte, dieselbe Messenger-App nutzen müssen, um überhaupt ins Gespräch kommen zu können.

Top 8: Die beliebtesten Messenger in der Übersicht

1992 wurde die erste SMS im britischen Vodafone-Netz von einem PC auf ein Mobiltelefon verschickt. Der Short-Message-Service zum verschicken von Kurznachrichten mit maximal 160 Zeichen wurde insbesondere nach Einführung der SMS-Flatrates sehr beliebt. Der Siegeszug des Instant Messaging (engl. für "sofortige Nachrichtenübermittlung") über das Internet begann 1996 mit dem Start von ICQ - damals mit einem Computerprogramm von PC zu PC. Heute verschmelzen diese Kommunikationsmethoden. Smartphones sind kleine Computer, die dank Daten-Flatrate permanent mit dem Internet verbunden sind. So werden weiterhin Nachrichten von Mobiltelefon zu Mobiltelefon verschickt, nur geschieht dies mithilfe der Messenger-Apps nicht mehr über den GSM-Standard, sondern über die Server der Instant-Messaging-Dienste im World-Wide-Web.

Infografik meistgenutzte MessengerWhatsapp ist gemessen an den monatlich aktiven Nutzern der Marktführer, gefolgt vom Facebook Messenger. Dahinter platzieren sich in dieser Reihenfolge die Apps WeChat, QQ, Skype, Snapchat, Viber und Telegram.

Whatsapp ist mit 1,5 Milliarden monatlich aktiven Nutzern der größte Messenger-Dienst, gefolgt von dem Facebook Messenger aus demselben Hause. Auf den Plätzen drei und vier folgen WeChat (1,083 Mrd. Nutzer) und QQ (803 Mio. Nutzer) des chinesischen Internetkonzerns Tencent. Beide Messenger sind im asiatischen Raum weit verbreitet und zeichnen sich durch die Integration von "WeChat Pay" bzw. "QQ Wallet" als mobile Zahlungsmethoden aus. Mit 300 Millionen Nutzern ist Skype das Urgestein (Gründung 2003) in dieser Liste und hat den Sprung vom PC auf das Smartphone geschafft.

Kurz dahinter folgt Snapchat. Die App wurde damit bekannt, dass Fotos verschickt werden konnten, die der Empfänger nur einmalig für wenige Sekunden anschauen konnte. Häufig wurde Snapchat deswegen für "Sexting" verwendet, also das Verschicken schlüpfriger Nachrichten und Fotos. Die Funktion "Storys", um andere Nutzer mit Fotos und kurzen Videos an den letzten 24 Stunden des eigenen Lebens teilhaben zu lassen, bekam so viel Aufmerksamkeit, dass Whatsapp, Facebook und Instagram diese Funktion kopierten. Viber (260 Mio. Nutzer) und Telegram (200 Mio. Nutzer) belegen im weltweiten Vergleich die Plätze sieben und acht. Alle diese Apps sind aufgrund ihrer weiten Verbreitung die Messenger, über die man möglichst viele Menschen gleichzeitig erreichen kann. Doch auch mit weniger Nutzern können Instant Messenger eine Alternative zu Whatsapp sein.

Favorit der Stiftung Warentest: Threema

Wie auch Whatsapp nutzt der Schweizer Dienst Threema eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Versendeten Daten werden auf dem Handy des Senders verschlüsselt und erst beim Empfänger entschlüsselt. Das gilt für Sprachanrufe, Gruppen-Chats, Medien, Dateien und Statusmeldungen gleichermaßen. So soll verhindert werden, dass jemand anderes als die chattende Gruppe Zugriff zu den Nachrichten erhält.

Threema ist jedoch nicht kostenlos. Im Play Store für Android-Smartphones zahlt man 2,99 Euro Euro für die Messenger-App. Nutzer eines iPhones müssen etwas tiefer in die Tasche greifen. Von ihnen wird im App Store 3,49 Euro verlangt. Dafür verspricht Threema vollumfänglich konform mit dem europäischen Datenschutzverordnung (DSGVO) zu sein und keine Metadaten zu sammeln, geschweige denn sie zu Werbezwecken einzusetzen, wie es Whatsapp voraussichtlich im Laufe des Jahres 2019 machen wird.

Mit 200 Millionen Nutzern: Telegram

Telegram lässt sich auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzen. Damit die Synchronisation gelingt, werden Daten in einer Cloud gespeichert. Diese sind nicht von Anfang bis Ende verschlüsselt. Um die Daten dennoch vor fremden Einblicken zu schützen, setzt der Messenger-Dienst auf eine verzweigte Infrastruktur mit Servern in Rechenzentren rund um den Globus, die von verschiedenen juristischen Personen, verteilt auf mehrere Gerichtsbarkeiten gesteuert werden. So wird sichergestellt, dass keine einzelne Regierung oder eine Gruppe gleichgesinnter Länder Zugriff erhalten.

Damit zeigen die Entwickler Pavel und Nikolai Durov zwar, dass sie die Nutzer insbesondere vor hoheitlichen Maßnahmen schützen wollen. Auch die Möglichkeit, Gruppen mit bis zu 200.000 Mitgliedern zu erstellen, die sowohl Textnachrichten als auch Fotos, Videos und Dokumente (wie mp3-, doc-, zip-Dateien etc.) mit einer Größe von bis zu 1,5 Gigabyte austauschen können, spricht dafür, dass sich die App an Regierungskritiker und Nutzern in Ländern ohne Meinungsfreiheit richtet.

Doch Sicherheitsexperten üben genau an der undurchsichtigen Unternehmensstruktur von Telegram Kritik und halten das Verschlüsselungsverfahren nicht für ausreichend belegt. In separaten geheimen Chats ist die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung hingegen aktiviert. Hier kann sogar ein Verfallsdatum für Nachrichten, Videos oder Bilder eingestellt werden, sodass sie sich bei beiden Chatpartnern selbst zerstören. Mit zum Beispiel einer Umfrage-Funktion, um innerhalb einer Gruppe ein Meinungsbild abzufragen oder einen Termin zu finden, hat Telegram, verglichen mit anderen Messengern, einen größeren Funktionsumfang. Telegram ist kostenlos für Android und iOS verfügbar.

Edward Snowdens Wahl: Signal

Der kostenlose Messenger Signal besitzt ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Sie ist jedoch "Open-Source", also einsehbar und somit für jedermann auf ihre Sicherheit überprüfbar. So basiert auch die Verschlüsselung von Whatsapp auf diesem Programmcode. Mit Signal lassen sich Textnachrichten verschicken und Videotelefonate führen. Auch auf dem PC kann der Messenger genutzt werden.

Es können Gruppen erstellt und Sprachnachrichten, Videos, GIFs und andere Dateien verschickt werden. Außerdem lässt sich innerhalb einer Konversation für alle Teilnehmer ein Verfallsdatum einstellen, nachdem die gesendeten Nachrichten verschwinden sollen. Bekanntheit erlangte der Messenger insbesondere nachdem der Whistleblower Edward Snowden den Messenger-Dienst zur verschlüsselten Kommunikation empfahl.

Der Messenger aus Mr. Robot: Wickr

Wickr kommt aus San Francisco. Durch die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung laufen die mit dem Messenger verschickten Nachrichten und Dateien niemals entschlüsselt über die Server des Unternehmens, die in den USA stehen. In der App kann ein Verfallsdatum für Nachrichten eingestellt werden und die Schutzmaßnahmen gehen sogar so weit, dass vor dem Versenden eines Fotos dessen Metadaten gelöscht werden, sodass die Privatsphäre auch beim Empfänger gewahrt bleibt. Wickr ist für iOS, Android, Windows, Mac und Linux erhältlich und bietet auch kostenpflichtige Kommunikationskanäle für Unternehmen an. Seit August 2017 ist der Quellcode von Wickr öffentlich zugänglich.

Was ist die beste Alternative zu WhatsApp?

Als Anhaltspunkt bei der Wahl des richtigen Messengers sollte insbesondere auf die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung geachtet werden. Der Inhalt Ihrer Nachrichten geht niemanden etwas an. So bietet der Facebook Messenger die Verschlüsselung nur optional an, und dann können in diesen geheimen Chats keine Videos, GIFs und Sprachnachrichten verschickt werden. Welchen Messenger man letztendlich wählt, hängt aber auch davon ab, welchen Dienst Freunde und Bekannten bereits nutzen, oder ob sie sich zur Nutzung eines anderen Messengers überreden lassen.

Doch machen Sie es sich an dieser Stelle auch nicht zu schwer. Moderne Smartphones haben genug Speicherplatz, um mehrere dieser Apps parallel zu installieren. Ein gutes Zeichen ist es, wenn der Betreiber des Instant Messaging Dienstes den Quellcode offenlegt. So können Sicherheitsexperten diesen auf Sicherheitslücken überprüfen. Gleichzeitig heißt dies jedoch keineswegs, dass jeder Nachrichtendienst mit einem öffentlichen Quellcode sicher ist. Ein Verfallsdatum der Nachrichten kann zusätzlichen Schutz davor bieten, dass ältere Nachrichten auf den Handys des Senders und des Empfängers nicht von Dritten eingesehen werden.

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