Blaue Briefe

Ärgernis: Flatrates, die keine sind

Eine Flatrate ist eine Flatrate ist eine Flatrate. Doch das stimmt nicht. Es gibt Flatrates, die eigentlich nicht so heißen dürften. Immer wieder werden Kunden wegen angeblich übermäßiger Nutzung abgemahnt. Derzeit sorgt Arcor für Schlagzeilen. Ehrliche Kunden sollen allerdings nichts zu befürchten haben, hieß es.

Handytelefonat© Amir Kaljikovic / Fotolia.com

Wer eine Flatrate gebucht hat, kann zur den angegebenen Zielen so lange telefonieren, wie er oder sie will. So denken viele Kunden, doch das bewahrheitet sich nicht immer. Es empfiehlt sich, die AGB des Anbieters genau zu lesen, bevor man einen Vertrag unterschreibt.

Gedeckelte Flatrates

Denn nicht selten ist der groß mit "Flatrate" beworbene Tarif eben doch gedeckelt. Das passiert auf dem DSL-Sektor genauso wie auf dem Telefonie-Sektor; mehrere Anbieter gerieten diesbezüglich schon in die Schlagzeilen. Derzeit trifft es Arcor. Beim Eschborner Anbieter kann man einem Bericht der Berliner Zeitung zufolge wohl nicht zu Flatrate-Konditionen telefonieren, wenn man eine Flatrate gebucht hat.

Telefonate ins Ausland über Gebühr?

Die Zeitung berichtet, es seien insbesondere solche Kunden von Arcor angeschrieben worden, die ihre Telefon Flatrate ins Ausland "in außergewöhnlich hohem Maße" genutzt hätten. Das lege die Vermutung nahe, so der Anbieter, dass zumindest teilweise nicht zu privaten, sondern zu geschäftlichen Zwecken telefoniert worden sei. Wer so viel telefoniere, für den gebe es minutenbasierte Tarife, mussten einige Kunden erfahren.

Arcor teilte auf Nachfrage mit, dass eine sehr hohe Nutzung - insbesondere ins Ausland - "gelegentlich" vorkomme. Problematisch ist, dass Arcor ebensowenig wie die Konkurrenz eine bestimmte Grenze zieht und eindeutig sagt, ab welchem Minutenbudget das Maß überschritten ist. So ist es schwer von außen einzuschätzen, ob ehrliche Vieltelefonierer zu Unrecht angemahnt werden oder ob eine quasi geschäftliche Nutzung die vereinbarten Bedingungen tatsächlich unterläuft. Arcor zufolge bräuchten ehrliche Kunden den Sachverhalt lediglich zu erklären und hätten dann nichts zu befürchten. Wenn allerdings ein ausländischer Imbissbudenbesitzer seine Gäste in ihr Heimatland telefonieren lässt und dafür vielleicht sogar Geld nimmt, dann sähe die Sache anders aus.

Einer ist immer der Dumme

Hintergrund: Eigentlich ist eine gedeckelte Flatrate ein Unding - was als Pauschaltarif bezeichnet wird, sollte auch alles pauschal umfassen. Insofern ist der Unmut von ehrlichen Vieltelefonierern mehr als verständlich. Dass allerdings eine missbräuchliche Nutzung im Geschäftsbetrieb den Ärger des Anbieters auf sich zieht, dürfte klar sein. Denn der Telefonanbieter hat abgesehen von einer eventuellen missbräuchlichen Nutzung ohnehin das Problem, dass seine Mischkalkulation aufgehen muss. Diejenigen Kunden, die eine Flatrate buchen und eigentlich gar nicht brauchen, zahlen sozusagen für die Extremnutzer mit. Und wenn diese Kalkulation nicht aufgeht, hat der Anbieter ein Problem.

Tipps für Kunden

Wer sich für Flatrates gleich auf welchem Gebiet interessiert, sollte sich genau nach eventuellen Beschränkungen erkundigen und sich nicht von dem Wort "Flatrate" blenden lassen. Einige Anbieter lassen beispielsweise zu bestimmten Auslandszielen nur 500 Minuten pro Monat zu, andere Telefonanbieter beschreiben eine Nutzung "über Gebühr" nur sehr schwammig. Wer davon ausgeht, wirklich sehr viel zu telefonieren, sollte also nicht vorschnell unterschreiben. Gerade bei den schwammig formulierten AGB hat man als Kunde wenig Chancen, wenn man sich wehren will. Sofern man sie nicht ständig überschreitet und dann draufzahlen muss, ist es in der Regel besser, eine klar formulierte Grenze zu haben.

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