Ratgeber

Festnetz oder Handy: Für wen sich was lohnt

Wozu braucht es eigentlich einen Festnetzanschluss, wenn man mit dem Handy überall telefonieren kann? Geht's nicht ohne? Wir haben die Pros und Kontras abgewogen und sagen, ob sich der Verzicht auf das Festnetz für Sie lohnt.

Telefonieren© Luis Camargo / Fotolia.com

Ohne Handy ist heutzutage so ziemlich keiner mehr unterwegs. Dank der Discounttarife und erschwinglicher Handy-Flatrates, bei denen Anrufe ins deutsche Festnetz und die Mobilfunknetze kostenlos im Monatspreis enthalten sind, ist das Telefonieren von überall inzwischen auch für jedermann bezahlbar.

Angesichts dessen stellt sich die Frage: Kann man nicht ganz auf einen Festnetzanschluss verzichten? Eine klare Antwort gibt es nicht. Für einige kann sich das tatsächlich auszahlen – generell ist es aber nicht jedem zu empfehlen. Ein Problem: Internetanschlüsse ohne Telefon-Option sind eine Rarität, sodass also auch für das Surfen zu Hause möglicherweise eine Alternative gefunden werden muss. Wir sagen Ihnen, ob sich für Sie der Abschied von der Telefondose an der Wand lohnt.

Viel- und Wenigtelefonierer: Lohnt sich der Ausstieg für den einen mehr als für den anderen?

Der Ausstieg aus dem Festnetz lässt sich nicht unbedingt daran festmachen, wie oft und lange man mit dem Smartphone telefoniert. Wer mit einer Handy-Flatrate liebäugelt, findet bei Mobilfunk-Discountern Angebote bereits für unter zehn Euro im Monat. Diese Allnet-Flats gelten dann in das deutsche Festnetz und alle deutschen Mobilfunknetze. Daneben gibt es weiterhin günstige Tarife, bei denen nur Telefonate in das eigene Handy-Netz und in das Festnetz inklusive sind oder bei denen man eine Anzahl von Freiminuten hat. Theoretisch gibt es für unterschiedliche Ansprüche beim Telefonieren also ausreichend Angebote, die mit einem Mobiltelefon realisiert werden könnten. Ein Festnetzanschluss wäre so nicht unbedingt notwendig.

Festnetz: Eine Klärung der Begrifflichkeiten

Zunächst aber zur Klärung: Der Begriff Festnetz wird für sämtliche Telefon- sowie Internetanschlüsse zu Hause verwendet, die nicht über Funk oder Satellit laufen. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist mit Festnetzanschluss aber häufig auch der Telefonanschluss gemeint, der von der Deutschen Telekom bereitgestellt wird. Diesen klassischen Anschluss benötigt man nicht, um telefonieren zu können. Das funktioniert beispielsweise auch über einen Kabelanbieter. Spricht man von den Kosten für Anrufe in das Festnetz oder Telefonaten von Festnetz zu Festnetz, sind also auch die Anschlüsse gemeint, die nicht vertraglich über die Deutsche Telekom geschlossen wurden. Übrigens: Das klassische Festnetz der Telekom wird es nicht mehr lange geben, denn auch der Telekommunikationsriese stellt, wie die anderen Anbieter ebenfalls, nach und nach auf VoIP, also Telefonie übers Internet, um.

Kein Internet ohne Festnetz?

Wer gänzlich auf eine Festnetz-Option für Telefonie verzichten möchte, steht vor einem Problem: Reine Internetverträge sind schwer zu finden, die allermeisten Verträge umschließen auch eine Telefonoption. Reine Internetoptionen über Mobilfunk bieten beispielsweise Vodafone mit seinem GigaCube oder Congstar mit seinen Homespots an. Hier müssen aber zwei wichtige Dinge beachtet werden: Das inkludierte Datenvolumen ist begrenzt und anschließend wird die Surfgeschwindigkeit erheblich gedrosselt. Solche Modelle eignen sich tatsächlich nur für diejenigen, die auch zu Hause wenig im Internet unterwegs sind. Außerdem sollte man die Kosten bei solchen Lösungen im Blick behalten: Ein Komplettpaket (für Internet und Telefon) ist mit großer Wahrscheinlichkeit günstiger zu haben.

Mobil surfen statt DSL-Vertrag?

Aber reicht nicht auch der Mobilfunkvertrag des Handys für das Surfen in den eigenen vier Wänden aus? Technisch ist das möglich, da sich Smartphones auch als Modems nutzen lassen und so das Datenvolumen auch beispielsweise am Laptop genutzt werden kann. Aber: Selbst wer über einen Handyvertrag mit sehr großem Datenvolumen verfügt: Sobald zu Hause Filme gestreamt, Online-Spiele gezockt oder Musik über das Internet gehört wird, ist diese Nutzungsvariante nicht empfehlenswert.

Müssen es gleich zwei Allnet-Flats sein?

Bei der Entscheidung für ein Internetpaket samt Telefonoption sollte auf den Umfang letzterer geachtet werden. Wer bereits über eine Allnet-Flatrate im Mobilfunkvertrag verfügt, dem reicht sicherlich eine Festnetz-Flat für zu Hause. Und umgekehrt: Wem die Allnet-Flat zu Hause zur Verfügung steht, der kommt vielleicht mit einem günstigen Prepaid-Vertrag mit Minutenpaket beim Handy zurecht.

Was bringt eine Festnetznummer fürs Handy?

Wer sich allein für die Handynutzung entscheidet: Festnetznummern fürs Handy gibt es in zwei unterschiedliche Varianten. Mit der einen Variante kann der Nutzer sein Handy zu Hause quasi als Festnetz nutzen, d.h. auch zu Festnetz-Konditionen telefonieren und angerufen werden. Das lohnt sich im Grunde nur, wenn man zu Hause lediglich einen reinen Internetvertrag nutzt und auch mit seinem Smartphone über keine günstige Option verfügt, mit der man günstig Festnetznummern anrufen kann.

Mit der anderen Variante ist man über sein Smartphone über eine Festnetznummer erreichbar. Jedoch ist es hier nur für Anrufer günstig oder bei einer Flatrate kostenfrei, wenn sie auf der Festnetznummer anrufen.

Anschluss bei der Deutschen Telekom: Was sind die Vorteile?

Stichwort Call-by-Call: Ein Festnetz-Anschluss bei der Deutschen Telekom kann sich bezahlt machen, weil ausschließlich über diese Verträge auch Call-by-Call genutzt werden kann. Gerade wer häufig und oft in ausländische Netze telefoniert, kann so bisher am meisten sparen. Auch sind Anrufe auf Sonderrufnummern etwa von Banken, Auskunftsdiensten oder Firmen über das Festnetz billiger als vom Handy. Aber das gilt wiederum in der Regel für alle Telefonate, die von zu Hause aus geführt werden, unabhängig von der Telekom. Sparvorwahlen können in Form von Callthrough auch von Anschlüssen anderer Provider aus genutzt werden, sind aber etwas teurer als Call-by-Call.

Fazit

Jeder, der einen Ausstieg aus dem Festnetz erwägt, sollte mindestens einen durchschnittlichen Monat lang mal ein Auge auf die bislang übers Festnetz geführten Gespräche haben. Der Einzelverbindungsnachweis ist da sehr hilfreich. Dasselbe gilt auch für Telefonate über das Smartphone. Ohne eine genaue Analyse des eigenen Telefonie-Verhaltens ist ein Festnetz-Ausstieg nicht zu empfehlen. Die Frage, ob es ein Festnetzanschluss der Telekom sein muss: Im Vergleich zu anderen Telefonoptionen gibt es hier eigentlich nur noch den Unterschied bei der Call-by-Call-Nutzung. Aber auch bei alternativen Anbietern sollte angefragt werden, ob es günstige Sondertarife für Gespräche in das Ausland gibt.

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