Kommunikation in Millisekunden

Glasfaser-Seekabel: Mit dem Datenturbo durch die Weltmeere

Verbindung steht sofort: Telefonate von München zum Handy in New York sind heute eine Selbstverständlichkeit. Doch bis das Handy klingelt, saust das Telefonsignal dreimal durch Glasfaserkabel im Atlantik. Alles in Millisekunden.

Telefontarife© M.Jenkins / Fotolia.com

Linden (red) - Und so sehen die drei Highspeed-Reisen durch den Ozean aus: Beim Anruf von München nach New York flitzt das Signal durch Festnetze auf dem europäischen Kontinent bis zum Atlantik. Via Glasfaser-Seekabel geht es weiter zur Ostküste der USA. Dort wird es von einem Mobilfunknetz übernommen. Hat dieses das Handy lokalisiert und Empfangsbereitsschaft ermittelt, wird die Information über den Atlantik nach München zurückgeschickt. In Deutschland startet dann der Aufbau des Telefonates – wieder via Transatlantikkabel.

Zu den Pionieren der Telekommunikation gehört der amerikanische Geschäftsmann Cyrus W. Field. Ihm und seiner Crew gelang es im Sommer 1858, das erste transatlantische Tiefseekabel zwischen Neufundland und Irland zu verlegen. Am 16. August 1858 wurde das Kabel in Betrieb genommen – mit einem 103 Wörter langen Glückwunschtelegramm, das die britische Königin Victoria dem amerikanischen Präsidenten James Buchanan telegrafierte. Die Botschaft kam im Schneckentempo an. Denn pro Stunde konnten nur etwa zehn Wörter übertragen werden. Telefonate über Tiefseekabel waren damals noch nicht möglich.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es bereits zehn transatlantische Verbindungen. Seekabel, die auch Telefonate übertrugen, kamen ab 1950 zum Einsatz. Die Kommunikation erfolgte bis zu Beginn der 90-er Jahre hauptsächlich über Kupferleitungen. Als Übertragungsmedium spielen diese inzwischen jedoch so gut wie keine Rolle mehr.

Das erste Transatlantiktelefonkabel in Glasfasertechnik nahm im Dezember 1988 seinen Betrieb auf. Es konnte 30.000 Telefonate gleichzeitig übertragen. Seitdem sind die Kapazitäten geradezu explodiert. Die heute auf dem Grund der Weltmeere liegenden Glasfaserkabel transportieren mehr als 1.000 Gigabyte pro Sekunde. Das entspricht 62 Millionen Telefonaten.

Ohne leistungsfähige Infrastrukturen in den Ozeanen wäre die heutige globale Sprach- und Datenkommunikation unmöglich. Lediglich 20 Prozent des weltweiten Kommunikationsaufkommens werden via Satelliten vermittelt. Den rasant wachsenden internationalen Verkehr können nur Glasfaserkabel bewältigen.

Und die globale Vernetzung schreitet weiter voran. So verlegt das Unternehmen Seacom aktuell Glasfaser-Seekabel von Südafrika nach Indien und Großbritannien. Länge: Insgesamt 15.000 Kilometer. Das Kabel bringt erstmals dem Osten Afrikas einen Anschluss ans Breitbandzeitalter. Weitere Projekte laufen im Süden und Westen – damit möglichst viele afrikanische Länder pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft auf dem eigenen Kontinent den Datenturbo zünden können.

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