Unzulässige Anrufe

Wie man sich gegen unerwünschte Werbung wehren kann

Trotz der Gesetze gegen Telefonwerbung herrscht immer noch ein erschreckender Wildwuchs und sogenannte "Cold Calls" sind keine Seltenheit. Was man tun kann, um sich zu wehren, lesen Sie hier!

Festnetztelefon© zentilia / Fotolia.com

Wenn das Telefon klingelt und eine fremde Stimme oder ein Computer am anderen Ende ist, kann es sich um einen Werbeanruf handeln, der das Ziel hat, den Anrufer zu überrumpeln und ihm einen Vertrag oder einen Gewinn "anzudrehen". In vielen Fällen klappt das leider noch immer, doch dürfen solche Anrufe eigentlich gemacht werden? Und wenn ja, wie kann man sich als Verbraucher dagegen wehren?

Das sagt das Gesetz zu Werbeanrufen

Die rechtliche Lage (§7 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG)) ist hier ziemlich eindeutig. Für Privatpersonen gilt nämlich, dass Werbeanrufe nur dann erfolgen dürfen, wenn zuvor eine Einwilligung vom Angerufenen abgegeben wurde. Unternehmen können sich diese zum Beispiel via E-Mail oder Brief einholen, die Formulierung muss nicht speziell sein und kann beispielsweise folgendermaßen lauten: "Ja, sie dürfen mich auf telefonischem Wege über ihre Angebote informieren. Ein Widerruf ist jederzeit und ohne Angaben von Gründen durch mich möglich". Kommt es trotz der fehlenden Erlaubnis zu einem Werbeanruf, dann wird dieser als "Cold Call" eingestuft und kann mit einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Euro geahndet werden.

Des Weiteren ist auch das Unterdrücken der Rufnummer bei Werbeanrufen verboten, was im § 102 Abs. 2 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) geregelt ist. Ein Verstoß wird als Ordnungswidrigkeit geahndet und kann das Unternehmen bis zu 10.000 Euro kosten.

Sich gegen Werbeanrufe wehren – das kann man tun!

Immer wieder halten sich Anrufer nicht an die Regeln, sie rufen einfach an und hoffen auf den Überraschungseffekt. Man kann natürlich auch einfach wieder auflegen. Wenn man sich als Betroffener von unerlaubten Werbeanrufen aber wehren möchte, sollte man nach Möglichkeit den Namen des Anrufers, dessen Rufnummer und den Inhalt des Gesprächs notieren. Insbesondere wenn es um angeblich abgeschossene Verträge geht, sollten die oben genannten Informationen (inklusive Datum und Uhrzeit) notiert werden, um den Vorfall der Bundesnetzagentur melden zu können. Man kann dafür auch die Online-Beschwerde in Anspruch nehmen. Die Bundesnetzagentur kann am Ende nicht nur eine Geldbuße verhängen, sondern zusätzlich die Rufnummer deaktivieren. Als Betroffener muss man sich solche Anrufe also nicht gefallen lassen.

Abo oder Vertrag am Telefon abgeschlossen?

Sollte man bereits auf die Masche eines unseriösen Werbeanrufs hereingefallen sein, dann muss man nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Sollte nach einem Werbeanruf ein Vertrag ins Haus flattern, kann man diesen wie in jedem Online-Shop innerhalb von 14 Tagen widerrufen.

Versäumt der Anbieter die schriftliche Belehrung über den Widerruf, ist dieser auch danach noch möglich. Wenn man versäumt hat, rechtzeitig zu widerrufen, kann man noch versuchen, den Vertragsabschluss zu bestreiten. Das kann sinnvoll sein, wenn nichts Schriftliches zum Vertragsschluss vorliegt und beispielsweise eine Mahnung zugeht. Übrigens: Haben Sie nicht zu Beginn des Gesprächs Ihre Einwilligung dazu gegeben, darf das Telefonat auch nicht aufgezeichnet werden.

So kommen Unternehmen an Telefonnummern

Wie kommt das Unternehmen an meine Nummer, wenn ich diese nicht öffentlich zugänglich gemacht habe, etwa durch einen Eintrag im Telefonbuch? Die Antwort lautet Datenhandel. Firmen oder auch Call Center kaufen sich die persönlichen Daten von Bürgern über das Internet und verfügen am Ende über unzählige Adresslisten. Diese werden abgearbeitet und bei Bedarf wird einfach wieder nachgekauft. Man selbst gibt seine Daten unbewusst in vielen Situationen weiter, sei es bei Gewinnspielen oder beim Abonnieren von Newslettern. Viele Verbraucher lesen sich Datenschutzerklärungen nicht genau durch, bevor Sie auf "Akzeptieren" klicken. Die Weitergabe der so erlangten Daten ist legal, solange man sich an die gesetzlichen Vorgaben hält.

Werbung per Telefon mag nervig sein, ist aber nicht immer gleich illegal. Fragen Sie den Anrufer, bei welcher Gelegenheit Sie die Zustimmung zu Werbeanrufen gegeben haben sollen. Eventuell ist der Anruf ja wirklich das Resultat eines in Eile gesetzten Häkchens. Dies kann man dann als Gelegenheit nutzen, die Einwilligung zurückzuziehen.

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