Ecosia Suchmaschine© Ecosia GmbH

Ecosia: Die "Suchmaschine, die Bäume pflanzt"

"Du surfst im Web, wir pflanzen Bäume" – das verspricht die Suchmaschine Ecosia. Also: Ecosia statt Google nutzen und so ganz einfach etwas zum Umweltschutz beitragen? Was steckt hinter der Idee und wie genau funktioniert das Konzept von Ecosia?

Ein Logo, ein Suchfeld und ein Zählwerk, das anzeigt, wie viele Bäume schon gepflanzt wurden – so sieht die Startseite der "Öko-Suchmaschine" Ecosia aus. Diese kann man sich in allen gängigen Browsern einrichten und auch per App für iOS und Android verwenden. Firefox Deutschland hat Ecosia bereits in seine vorinstallierte Auswahl übernommen. Anfang 2018 soll Ecosia rund sieben Millionen Nutzer gehabt haben. Kein Vergleich zu Google oder auch nur Yahoo und Bing, aber Ecosia hat seine Anhänger, und es werden mehr. Was ist das Besondere an Ecosia?

Wer steckt hinter Ecosia?

Ecosia wurde 2009 von Christian Knoll als GmbH gegründet und sitzt in Berlin. Das Unternehmen beschäftigt etwa 40 Mitarbeiter. 2010 gewann Ecosia den Gründerwettbewerb – IKT Innovativ des Bundeswirtschaftsministeriums. Knoll ging es bei der Firmengründung nach eigener Aussage darum, "die Welt ein bisschen grüner und besser zu machen" und zu "beweisen, dass es einen ethischeren Weg gibt, Geschäfte zu machen".

2018 entschlossen sich die Gründer dann auch, die als "Social Business" konzipierte Firma in ein gemeinwohlorientiertes, "sich selbst gehörendes" Unternehmen umzuwandeln. Das Modell fußt auf zwei Bedingungen: Das Unternehmen darf nicht gewinnbringend verkauft werden und es dürfen keine Gewinne jenseits der Gehälter entnommen werden. Die Eigentümer Knoll und Schumacher gaben damit auch ihr investiertes Kapital an eine Stiftung in der Schweiz ab. Knoll setzt damit sein Gründungsversprechen konsequent um, dem zufolge er Ecosia nie verkaufen und die Gewinne nie privat nutzen wollte.

Bäume pflanzen durch Internetsuche – wie geht das?

Natürlich wird durch eine Suche mit Ecosia nicht direkt auch schon ein Baum gepflanzt. Die Suchmaschine finanziert sich, wie andere, ähnliche Angebote auch, durch Werbung und Klicks der Nutzer auf Werbeanzeigen. Ecosia generiert die Suchergebnisse nicht selbst; dahinter steckt Microsofts Bing. Über Bing kommt auch das Geld für die Klicks.

Rechnet man den Verdienst durch Werbeanzeigen auf die Anzahl der Suchvorgänge um, so ergibt sich daraus ein Schnitt von etwa 45 Suchvorgängen für das Pflanzen eines Baumes. Dem Unternehmen zufolge entspricht das etwa einem Baum in jeder Sekunde. Stand Ende 2018 wurden bereits über 40 Millionen Bäume gepflanzt. Inzwischen hat die Suchmaschine zudem einen Shop, über den man T-Shirts kaufen kann. Der Erlös daraus geht ebenfalls an die unterstützten Wiederaufforstungsprojekte.

Ecosia © Ecosia GmbH

Welche Ökoprojekte unterstützt Ecosia?

Wurde zu Beginn des Projekts der WWF unterstützt, arbeitet Ecosia inzwischen direkt mit Partnern in verschiedenen Ländern zusammen, beispielsweise in Brasilien, Indonesien, Ghana und Madagaskar. In Europa wird ein Projekt in Spanien unterstützt. Mehr Informationen dazu sowie Verweise auf die Partnerorganisationen vor Ort finden sich ebenfalls auf der Webseite von Ecosia. Die Auswahl der Standorte orientiert sich den Angaben zufolge auf die am stärksten gefährdeten "Biodiversitäts-Hotspots" der Welt, angepflanzt werden einheimische Baumarten.

Im Senegal beispielsweise werden Bäume und um landwirtschaftliche Flächen gepflanzt, um den Boden zu verbessern. In Brasilien werden entwaldete Uferbereiche bepflanzt und in Burkina Faso versucht man, die Ausbreitung der Sahara einzudämmen. Dabei ist die Natur nicht das einzige Augenmerk: Neben der (Wieder-)Ansiedlung von Tieren und der Verhinderung von Bodenerosion haben viele Projekte auch eine soziale Komponente. Hier wird die nachhaltige Landwirtschaft gefördert und der ansässigen Bevölkerung werden Einkommensquellen erschlossen. Zwischen Bäumen werden Nutzpflanzen angebaut oder mit der Pflanzung von Kaffeebäumen wird in Kolumbien eine Alternative zum Anbau von Koka geboten.

Auch Suchanfragen selbst und das Betreiben von Servern verbrauchen Strom und verursachen CO2-Emissionen. Um diesem Kritikpunkt entgegenzuwirken und das Unternehmen auch CO2-neutral zu machen, verwendet Ecosia Ökostrom (mittlerweile auch durch Solarenergie selbst erzeugt) und leistet Ausgleichszahlungen an ein Klimaprojekt. Fairerweise muss man erwähnen, dass auch Google und Microsoft CO2-Neutralität für sich beanspruchen und dies kein Alleinstellungsmerkmal von Ecosia ist.

Ecosia Suchmaske Screenshot der Suchmaske von Ecosia.© i12 GmbH

Transparenz bei Ecosia

Ecosia verspricht, mindestens 80 Prozent des Überschusses in Baumpflanzprojekte zu stecken. Der Überschuss ergibt sich aus den Einnahmen abzüglich der laufenden Kosten und Rücklagen. Auf der Webseite von Ecosia werden monatliche Finanzberichte veröffentlicht, aus denen genau hervorgeht, wie hoch die Einnahmen sind, wie hoch Betriebskosten sowie Werbeausgaben und wie viel Geld letztlich in Baumpflanzungen geflossen ist. Darüber hinaus werden die Projekte, die Geld erhalten haben, inklusive Kontaktdaten aufgeführt. Ein Teil der Einnahmen wird in einem Fonds zurückgelegt, der als Puffer dient.

Ecosia und der Datenschutz

Ecosia setzt nicht nur einen Fokus auf den Naturschutz, sondern wirbt auch mit einem besonders sparsamen Umgang mit den persönlichen Daten seiner Nutzer. So verspricht Ecosia, keine persönlichen Profile basierend auf den Suchen zu generieren. Ebenso soll der Nutzer jegliches Tracking seiner Aktivitäten unterbinden können und Daten werden nicht an Werbetreibende verkauft. Nach sieben Tagen werden nur noch anonymisierte Daten gespeichert. Das Unternehmen unterliegt dem deutschen Datenschutzrecht. Um die Datenweitergabe an Dritte zu verhindern, verzichtet Ecosia weitgehend auf die Einbindung von Drittanbietertools; diese werden zudem nicht auf der Suche-Seite eingesetzt. Ganz auf die Weitergabe von Daten verzichten kann Ecosia indes nicht, an Bing müssen für die Suche einige Einstellungsdaten und die IP-Adresse übermittelt werden.

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