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Libra - der bessere Bitcoin?

Libra - so heißt die Kryptowährung des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. Was hat der Chef des sozialen Netzwerks für die Währung geplant, was sind mögliche Vor- und Nachteile und wie unterscheidet sie sich von Bitcoin?

Im Grunde war abzusehen, dass einer der großen Player im Internet das Thema Kryptowährung irgendwann einmal aufgreifen wird. Die Frage lautete nur: Google, Facebook oder Amazon? Dieses Rennen ist gelaufen. Als erster durchs Ziel geht Mark Zuckerberg und seine kürzlich vorgestellte Weltwährung Libra, mit der ab 2020 Zahlungen vor allem innerhalb von Facebook so einfach werden sollen wie das Verschicken einer SMS.

Was das für Facebook bedeutet, ist klar: noch mehr Einfluss auf das Netzgeschehen, Vereinfachung von Kaufvorgängen, Shops innerhalb des sozialen Netzwerks - das sind nur erste Rückschlüsse auf mögliche Entwicklungen. Die Frage lautet aber: Was bedeutet Libra für den Rest der Welt?

Globaler Ansatz: Libra wird in Messenger integriert

Dass Mark Zuckerberg und das Libra-Projektteam von Anfang an über Facebook hinausgedacht haben, ist an einem einfachen Indiz festzumachen: Neben der Integration von Libra in die Messenger-Apps von Facebook und Unternehmenstochter WhatsApp wird es auch ein unabhängiges Wallet names Calibra geben, also eine Geldbörse zur Aufbewahrung der digitalen Währung. Calibra erlaubt den Einsatz der neuen Kryptowährung außerhalb von Facebook und ermöglicht damit auch universelle Zahlungsvorgänge.

Wie zahlt man was an wen?

Der offizielle Zweck des Libra ist es, mühelos Geld an Freunde und Familie senden zu können. Dass Mark Zuckerberg erheblich mehr damit vorhat, lässt sich aus der streng kommerziell ausgerichteten Grundstruktur seiner Geschäftsmodelle schließen. Entsprechend ist der Libra darauf angelegt, das universelle Zahlungsmittel im Internet zu werden und damit eine Rolle einzunehmen, die weder der Bitcoin noch irgendeine der anderen Kryptowährungen bisher erreicht haben: sich als internationale Währung für den Online-Handel zu etablieren.

Um eine Online-Bestellung mit Libra zu bezahlen, sind zwei Dinge erforderlich: zum einen ein eigenes Libra-Wallet, sei es innerhalb Facebook oder Whatsapp oder als unabhängiges Calibra-Wallet, zum anderen einen Händler, der Libra als Zahlungsmittel akzeptiert. Die ersten Schritte auf diesem Weg sind bereits getan.

Das von Facebook gegründete Libra-Konsortium hat nur wenige Gründungsmitglieder, aber die haben es in sich: Unter ihnen sind so illustre Namen wie Uber und Ebay zu finden, die zusagen, den Libra vom Start weg als Zahlungsmittel akzeptieren zu wollen. Dass in kurzer Zeit viele große und kleine Anbieter folgen werden, ist abzusehen.

Ein weiterer Fokus des Libra liegt auf den Entwicklungsländern. Für die Menschen in Gegenden mit problematischen wirtschaftlichen oder politischen Bedingungen eröffnet sich mit dem Libra die Möglichkeit, Geld von Familienmitgliedern aus den westlichen Ländern auf einfache, schnelle und vor allem kostengünstige Weise zu erhalten. Damit lassen sich die teilweise recht hohen Transaktionsgebühren von Diensten wie PayPal oder Western Union einsparen - was übrigens auch ein interessanter Aspekt für Anwender in den westlichen Ländern ist.

Mit Libra endlich eine stabile Kryptowährung?

Wer den Kursverlauf des Bitcoin über einen längeren Zeitraum verfolgt, wird erkennen, dass die erste und bisher führende Kryptowährung als Zahlungsmittel nicht taugt:

Im Jahr 2010 - 13 Monate nach dem Start des Bitcoin - bezahlte ein Programmierer in Florida seine Bestellung über zwei Pizza Margherita mit 10.000 BTC, das ergibt einen Wechselkurs von rund 0,2 Eurocent pro Bitcoin. Aktuell hat der Urvater der Kryptowährungen gerade wieder die 10.000-Euro-Marke durchbrochen - von unten, versteht sich. Dazwischen lagen über neun Jahre verteilte Allzeithochs bei 350 Euro, 2.000 Euro, 8.000 Euro, 12.000 Euro, dann wieder 3.000 Euro, jetzt 10.000 Euro. Es dürfte klar sein, dass sich eine derart unbeständige Währung weder als Zahlungsmittel noch zur Vermögensbildung eignet.

Ähnlich verhalten sich auch die anderen Kryptowährungen. Was ihnen allen fehlt, ist ein stabilisierender Faktor. Den soll der Libra erhalten, und zwar in Form einer Währungsreserve, die aus mehreren nationalen Währungen zusammengesetzt ist und an die der Kurs des Libra gebunden sein soll. Die Idee ist faszinierend - ob sie das erwartete Ergebnis bringt, bleibt abzuwarten.

Aufruhr der Währungswächter

Auch das war zu erwarten: Die Aufsichtsbehörden zahlreicher nationaler Währungen laufen Sturm gegen den Libra. Viele echte und selbsternannte Experten sehen schon den Untergang des Weltwährungssystems am Horizont heraufziehen - ganz so wie damals beim Start des Bitcoin. Wieviel davon auf wissenschaftlichen Tatsachen beruht und wieviel nur auf der Angst der Währungshüter vor dem Machtverlust, wird die Zukunft zeigen.

Eine der beliebtesten Argumente gegen Kryptowährungen ist der Vorwurf, sie begünstigten Geldwäsche und andere illegale Finanztransaktionen.

Es gibt auch eine andere Sichtweise auf das Thema. Eine unabhängige, weltweite Währung kann die Banken von ihrer Machtposition holen, die von manchen Finanzexperten als eigentliche Ursache für die soziale Ungerechtigkeit in den modernen Gesellschaften gesehen wird.

Eine stabile internationale Kryptowährung kann sich neben den wirtschaftlichen Aspekten segensreich auf gesellschaftliche und zivilisatorische Prozesse auswirken. Dass sie auch das Potential zum Missbrauch in sich birgt, hat sie mit vielen anderen großen Erfindungen gemein.

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