Sendeantenne© Kara / Fotolia.com

Mobilfunknetz: So fördert die Regierung den Ausbau

Das Mobilfunknetz und dessen Ausbau hinken im europäischen Vergleich hinterher, so das Ergebnis einer Studie Ende 2018. Was hat sich seitdem verändert und über welche Maßnahmen bringt die Bunderegierung den Ausbau der Netze voran?

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD zur Mobilfunkversorgung ist klar: 5G-Versorgung vorantreiben und bestehende Funklöcher im Mobilfunknetz schließen. Beim Mobilfunkgipfel im Juli 2018 in Berlin einigten sich Politik und Wirtschaft – im Laufe des Jahres 2021 – in jedem Bundesland 99 Prozent der Haushalte an die Mobilfunknetze anzubinden.

4G – Mobilfunknetze Stand 2018

Die Realität sah Ende 2018 anders aus. Besonders eine Studie der Aachener Beratungsunternehmens P3 sorgte zu diesem Zeitpunkt für Aufruhr. Die Deutsche Telekom schaffte demnach bei der 4G-Abdeckung nur 75 Prozent. Vodafone und Telefónica, der Mutterkonzern von O2, schnitten noch schlechter ab. Damit lag Deutschland im europäischen Vergleich hinter Albanien.

Unterschied zwischen 4G und 5G

4G steht dabei für die vierte Generation in der Mobilfunkübertragung und entspricht dem aktuellen Standard. In der Theorie erlaubt 4G Geschwindigkeiten bis zu 400 Mbit/Sekunde, in der Praxis wird das Ende der Fahnenstange vielmals bei 50 - 100 Mbit/s erreicht. Oft wird der Begriff LTE umgangssprachlich mit 4G gleichgesetzt, was nicht ganz stimmt. Long Term Evolution (LTE) gehört eigentlich der 3. Generation an, erst das verbesserte LTE Advanced, auch LTE-A oder LTE+ genannt, entsprach dem 4G-Standard. Der Vorgänger 3G (UMTS) erreicht nur Geschwindigkeiten von durchschnittlich 384 kbit/s. Mit dem neuen Standard 5G sollen Surfgeschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s möglich werden, also 100-mal schneller als 4G. In einigen ausgewählten Städten ist 5G im Testbetrieb bereits Realität. Erste 5G-Smartphones sind im Handel erhältlich.

Verbesserungen der Mobilfunknetze seit 2018

Inzwischen trat merklich Besserung in der deutschen Netzlandschaft ein, bestehende Funklöcher nahmen ab und die Geschwindigkeit stieg an. In einer Studie analysierte In einer Studie analysierte die umlaut communications GmbH (vormals P3) 2019 erneut die Datengeschwindigkeit und die LTE-Netzabdeckung der Mobilfunknetze in Deutschland, Österreich, der Schweiz, in Spanien, Großbritannien und in den Niederlanden. Die Mittelwerte der Datengeschwindigkeiten lagen in den deutschen Großstädten bei 91 Mbit/s im Telekom-Netz, 68 Mbit/s bei Vodafone und 37 Mbit/s bei Telefónica. Den Höchstwert erreichte die Telekom mit 174 Mbit/s. Spitzenreiter war die Schweiz, im Mittel lag der gemessene Wert bei 110 Mbit/s, der Höchstwert bei 206 Mbit/s. Bei der flächenmäßigen LTE-Abdeckung erreichte die Telekom 98 Prozent der erfassten Haushalte, Vodafone schaffte 95 Prozent und Telefónica 89 Prozent. Im internationalen Vergleich lag die BRD mit durchschnittlich 96 Prozent im Mittelfeld hinter Großbritannien mit 98 und Polen mit 97 Prozent, vor Italien (94 Prozent), Spanien (91 Prozent) sowie Frankreich (88 Prozent).

Geplante Maßnahmen für die nahe Zukunft

Das Aufstellen neuer Sendemasten soll die Mobilfunkabdeckung in den nächsten Jahren weiter verbessern. Grundlage dafür bilden die Auflagen der 5G-Frequenzauktion 2019. Der Fokus lag dabei auf einer besseren Versorgung der Verkehrswege, um auch den ländlichen Raum, beim Ausbau teilhaben zu lassen. Bis Ende 2022 müssen mindestens 98 Prozent der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s versorgt sein, ebenso alle Bundesautobahnen und 1.000 "5G-Basisstationen" und 500 Basisstationen mit mindestens 100 Mbit/s in "weißen Flecken" in Betrieb sein. Im November unterzeichneten die drei deutschen Mobilfunknetzbetreiber eine Absichtserklärung, die Mobilfunknetze entlang der Verkehrswege durch zusätzlich 6.000 neue Funkmasten zu verbessern.

Mobilfunknetze – Förderprogramm des Bundes

Für Gebiete, die nicht durch die Vereinbarung des Mobilfunkgipfels oder durch die Auflagen der 5G-Frequenzauktion abgedeckt sind, stellt der Bund ein eigenes Förderprogramm für den Mobilfunk zur Verfügung. Ziel ist, die Kommunen zu entlasten und durch wettbewerbliche Ausschreibungen einen effektiven und kostengünstigen Ausbau zu gewährleisten. Das Programm umfasst die Abdeckung von Kreis- und Gemeindestraßen sowie von Gewerbegebieten. Ferner enthält das Förderprogramm den Aufbau von eigenen Netzen für die Land- und Forstwirtschaft. Lokale 5G-Campus-Netze sollen die Digitalisierung in der Landwirtschaft ermöglichen und 5G an jede Milchkanne bringen.

Die Gründung einer Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft (MIG) als Tochtergesellschaft der Toll Collect ist für 2020 geplant. Deren Aufgabengebiet wird die Evaluierung von Standorten für Mobilfunkmasten bzw. Sendeanlagen sein, bis hin zur fachlichen Begleitung und ordnungsgemäßen Umsetzung der mit Fördermitteln des Bundes realisierten Baumaßnahmen. Der operative Start der MIG ist für das 3. Quartal 2020 vorgesehen.

Das Förderprogramm des Bundes unterstützt ferner eine engmaschigere Mobilfunkversorgung entlang der Bahngleise zur Verbesserung der Netzqualität in Zügen und die Sicherstellung der Notrufverfügbarkeit – unabhängig vom Netzbetreiber. Geprüft wird der Einsatz spezieller Notalarmierungssender, die via Satellit Notrufe sowie den Standort der in Not befindlichen Personen weiterleiten.

5G – Ausbau der Mobilfunknetze für die Industrie 4.0

Der Schwerpunkt des Ausbaus der Mobilfunknetze wird sich künftig nicht mehr ausschließlich am Massenmarkt orientieren. Die Förderung innovativer Ökosysteme für 5G soll neue Anwendungen und Geschäftsmodelle ermöglichen und die Bedürfnisse der Industrie im Bereich Mobilität, Logistik, Telekommunikation und Maschinenbau sowie im Gesundheitswesen und in der Landwirtschaft besser erfüllen.

Dafür stellt die Bundesnetzagentur Frequenzen im Bereich 3,7 bis 3,8 GHz für lokale 5G-Anwendungen bereit. Campus-Netze etwa in der Industrie 4.0 oder in landwirtschaftlichen Betrieben wird den 5G-Ausbau weiterbringen. Ferner treibt die Bundesregierung Forschung und Entwicklung von 5G-Technologien in Deutschland voran.

5G – Frequenzauktion für die Mobilfunknetze

Die 5G-Frequenzvergabe der Bundesnetzagentur im Juni 2019 spülten rund 6,6 Milliarden Euro in die Kasse des Fiskus. Dabei handelt es sich ausschließlich um Sondervermögen "Digitale Infrastruktur", der Bund darf das Geld nur zur Förderung des Ausbaus von Gigabit-Netzen und für den "Digitalpakt Schule" verwenden. Die nächste Frequenzvergabe erfolgt voraussichtlich in 2022/23. Künftige Ausbauverpflichtungen müssen dann eine umfassende 5G-Infrastruktur und eine Verdichtung im ländlichen Raum weiter sicherstellen.

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