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National Roaming: Hintergründe, Nutzen und Nachteile

Wie wäre es, wenn Kunden einfach ein großes Mobilfunknetz nutzen könnten statt schauen zu müssen, welches von dreien den besten Empfang bietet? Der Schlüsselbegriff National Roaming steht mit der Einführung von 5G wieder im Fokus.

Deutschland hat momentan drei Mobilfunk-Netzbetreiber: die Telekom, Vodafone und Telefónica mit der Hauptmarke O2. Jedes dieser drei Unternehmen betreibt sein eigenes Mobilfunknetz, das Kunden des jeweiligen Anbieters nutzen. Auch alle anderen Mobilfunkanbieter und damit deren Kunden nutzen eines, manchmal auch mehrere, dieser drei Netze. Bevor man sich einen Handyvertrag zulegt, sollte man prüfen, welches der Netze am eigenen Standort am besten ausgebaut ist.

Hat man zum Beispiel bei Vodafone einen Vertrag und an einem bestimmten Standort keinen Empfang, so muss das nicht zwingend auch auf Kunden der Telekom oder von O2 zutreffen. Das Problem ist aber, dass das Endgerät (also das Handy, Smartphone oder auch Tablet) nicht einfach auf die anderen Netze, beziehungsweise die entsprechenden Funkzellen, zugreifen kann.

National Roaming: Wechseln zwischen nationalen Netzen

Gäbe es nun die Möglichkeit, bei fehlendem Empfang einfach auf ein anderes Netz zu wechseln, das am Standort besser ausgebaut ist, wäre das für den Mobilfunkkunden natürlich eine schöne Sache. In der Fachsprache nennt man das Ganze "Nationales Roaming" oder "National Roaming". Das Konzept besagt, analog zum Roaming im ausländischen Fremdnetz, dass auch Netze der Konkurrenz genutzt werden dürfen. In der Regel werden dafür Netznutzungsgebühren vom "Mieter" an den Betreiber gezahlt.

National Roaming bei der Einführung von 5G

Bekannt ist ein anderes Szenario des National Roamings aus der Zeit der E-Plus-Übernahme durch Telefónica. Vor der Zusammenschaltung der Netze von E-Plus und O2 konnten Kunden beide Netze per National Roaming nutzen. Das Thema ist vor Einführung der nächsten Mobilfunkgeneration 5G wieder in den Fokus gerückt; es wird viel darüber diskutiert, denn Nationales Roaming soll mit 5G verpflichtend werden. So will es die Politik. Doch was sagen die Netzbetreiber dazu und welche Vor- und Nachteile würden dadurch entstehen?

Diese Vorteile bringt Nationales Roaming

Die Meinungen zum Thema National Roaming gehen weit auseinander. Eine Verpflichtung zum Roaming würde die Netzbetreiber entlasten und für eine bessere und effizientere Nutzung der Funkzellen sorgen, argumentieren Befürworter. Würde Nationales Roaming per Gesetz verordnet, dann würden in erster Linie die Kunden der Netzbetreiber profitieren. Es gäbe deutlich weniger Funklöcher und man hätte stets den bestmöglichen Empfang. Doch so einfach ist es dann doch nicht. Während die Politik und Berater in erster Linie die Früchte einer solchen Zusammenarbeit sehen, blicken die Provider zuerst aufs eigene Geschäft. Ihnen sind die positiven Folgen natürlich auch klar, doch warum sollte die Konkurrenz vom eigenen, besseren Netz profitieren?

Die Mobilfunkbetreiber stellen sich quer

Die Mobilfunkbetreiber sind gegen eine Pflicht zum National Roaming. Große Bedenken herrschen bezüglich des zukünftigen Netzausbaus und wer die Kosten hierfür tragen wird, wenn auch andere davon profitieren.Warum sollte man sich dann überhaupt noch mit dem Netzausbau beschäftigen, wenn man dafür nicht die Vorteile des besseren Netzes genießt? Einfacher ist es dann, abzuwarten und dann das Netz der Konkurrenz nutzen. Wer möchte unter diesen Umständen noch investieren?

Eine Möglichkeit wäre, dass man zeitgleich Lösungen erarbeitet. Zum Beispiel, dass die Anbieter einen finanziellen Ausgleich untereinander etablieren. Wenn Provider B das Netz von Provider A nutzt, dann bekommt dieser Geld von ihm. Dann aber kann es sein, dass die Mobilfunkbetreiber die Tarife erhöhen und die Kosten – oder zumindest einen Teil davon – an die Kunden weitergeben.

Nationales Roaming: Die Vor- und Nachteile
Pro Contra
  • Bessere Netzabdeckung für die Kunden
  • Vergleich von Netzabdeckungskarten wird unnötig
  • Konzentration auf gemeinsames Schließen von Funklöchern
  • Bundesweit besserer Handyempfang
  • Weniger Anreize für den Netzausbau
  • Höhere Kosten für die Provider
  • Mögliche Preiserhöhung für den Kunden
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