Wechat© Tencent Inc.

WeChat: Was die Super-App aus China so besonders macht

Mit WeChat kann theoretisch ein Arzttermin oder ein Bahnticket gebucht, ein Tisch in einem Restaurant reserviert und die Stromrechnung bezahlt werden. Bisher funktioniert das aber fast nur in China. Woran liegt das?

Ein Smartphone an die eigenen Bedürfnisse anzupassen, ist dank zahlreicher Apps nicht schwer. Manche von ihnen erhalten sogar besonders viel Aufmerksamkeit, weil sie zum Beispiel eine besondere Funktion aufweisen oder in der Kritik stehen. Genau so eine App ist WeChat, die in China ihre Wurzeln hat und seit Januar 2011 existiert. Im Kern war sie ein Messenger wie WhatsApp, allerdings sind mit der Zeit viele weitere Funktionen dazugekommen. Heute ist WeChat eine Art Super-App, ohne die in China beinahe gar nichts mehr geht. Aber was genau macht sie so besonders und wie sieht es mit dem Datenschutz aus?

Das macht WeChat so interessant

Möchte man seinem Smartphone eine neue Funktion hinzufügen, dann geht man in den Store und installiert eine entsprechende App. Bei WeChat ist der Start zwar auch so, doch das Programm bietet Erweiterungen an, mit der sich ganz andere Möglichkeiten eröffnen. Im Vergleich zu WhatsApp kann man nicht nur Nachrichten versenden und Videoanrufe tätigen, sondern auch innerhalb der App eine Dating-Plattform und eine Timeline nutzen. Letzteres kennt man von Facebook, man kann also Statusmeldungen und Bilder posten. Auf eine Übersetzungsfunktion und auf die Übermittlung des eigenen Standorts an jemand anderen muss man beispielweise ebenfalls nicht verzichten.

Besonders ist auch WeChat Pay, denn es handelt sich um eine Bezahlfunktion wie Google Pay oder Apple Pay. In Europa startete der Dienst im Juli 2017, verantwortlich dafür ist die Wirecard AG. Seit November 2018 besteht für die Pay-Funktion auch mit "LINE Pay" eine Kooperation. Wer WeChat Pay nutzt, geht in den Supermarkt, scannt mit dem Handy den am Produkt angebrachten QR-Code ab und bezahlt auch mit dem Programm.

Im Vergleich zu regulären Apps hebt sich WeChat also vor allem durch seine umfangreichen Funktionen ab. Egal, ob man die Stromrechnung bezahlen, Essen bestellen, einen Tisch reservieren oder einen Arzttermin buchen möchte: WeChat ist eine App für alles.

Verbreitung von WeChat – Experten schlagen beim Datenschutz Alarm

Laut Statistika verzeichnete WeChat im 3. Quartal 2018 über eine Milliarde Nutzer weltweit. Der größte Teil der Nutzer befinden sich in Chinan, wo sich Wechat und Alipay (ebenfalls ein Bezahlprrogramm) praktisch ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. In Europa ist man noch weit davon entfernt, was allerdings nicht an der Vielfalt, sondern am Umgang mit den Daten liegen dürfte. WeChat möchte nämlich weitreichende Berechtigungen am Gerät haben. Außerdem arbeitet der Hersteller der App (Tencent Inc.) mit der chinesischen Regierung zusammen, was dazu führt, dass sehr viele private Daten an den Hersteller und die Behörden weitergegeben werden. Ein Geheimnis macht man daraus aber nicht.

Von den Features her ist WeChat sehr interessant, das Thema mit dem Datenschutz schreckt viele jedoch ab. Deutsche Sicherheitsexperten raten sogar dringend von der Verwendung ab. In einem von der Amnesty International vorgelegten Transparenz-Rating erreichte WeChat keinen einzigen Punkt (100 sind möglich), beim Facebook-Messenger und WhatsApp sind es immerhin 73.

Kommt WeChat auch nach Deutschland?

Wer möchte, der kann auf seinem Smartphone den Store öffnen und die WeChat herunterladen und das Programm nach der Einrichtung mit einigen Einschränkungen verwenden. In Europa kommen bei der App mehr und mehr Partner hinzu, oftmals sind aber chinesische Touristen die Hauptzielgruppe. So besteht beispielsweise mit der Buchungsplattform Quandoo eine Kooperation, mit der chinesische Reisende Gästebewertungen einsehen und Tische buchen können. Auch die eurotrade Flughafen Handels-GmbH (Tochterfirma der Flughafen München GmbH) hat eine Partnerschaft mit Bezahldienst Wirecard geschlossen, sodass in rund 70 Läden am Flughafen über WeChat gezahlt werden kann.

Neben fehlenden "Einsatzorten" ist auch die Einrichtung der Bezahlloption für Europäer nahezu unmöglich. Zwar können mittlerweile auch internationale Kreditkarten genutzt werden, von den Anmeldern wird aber eine chinesische Personal-ID verlangt. Insgesamt sieht es folglich bisher für diejenigen, die trotz der Sicherheitsbedenken beim Datenschutz die App installieren, innerhalb Europas mit der umfassenden Nutzung schlecht aus.

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