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Zero-Rating: Was steckt dahinter?

Mobilfunkbetreiber lassen sich immer wieder Neues einfallen, um sich von der Konkurrenz abzuheben und Kunden zu gewinnen. Die Praxis des Zero-Rating ist dabei für Kunden tatsächlich sehr attraktiv. Was aber ist Zero-Rating eigentlich und warum macht es auch Probleme?

Normalerweise wird das monatliche Datenvolumen bei einem Handytarif durch Dienste wie Facebook, Spotify, YouTube oder auch WhatsApp belastet. Bietet ein Provider allerdings Zero-Rating an, dann sind bestimmte Anwendungen und Dienste davon ausgenommen.

Beispiele aus der Praxis: StreamOn und Vodafone Pass

Ein Beispiel: Die Telekom stellt mit StreamOn einen Tarif bereit, der Musikstreaming beinhaltet, unter anderem von Spotify. Dadurch kann der Nutzer den Dienst nutzen, ohne dass sein gebuchtes Datenvolumen etwas abbekommt. In der Fachsprache bezeichnet man dies als angewandtes Zero-Rating. Es werden aber nicht alle Musikstreaming-Angebote unterstützt, sondern nur ausgewählte Partner. Neben Musik gibt es ähnliche Angebote für Videos oder Games. Auch Vodafone Pass funktioniert ähnlich, hier gibt es auch einen Pass für Social Media.

Wo man genauer hinschauen muss

Es gibt also viele verschiedene Varianten, wie man den "Nulltarif" in die Tarife integrieren kann. Das sollte aber auch gleichzeitig ein Hinweis sein, dass man bei der Suche nach einem Angebot ganz genau hinschaut. Wichtig ist auch, zu wissen, dass man mit der Buchung eines Zero-Rating-Dienstes nicht automatisch auch alle Dienste nutzen kann. Wo ein Abo nötig ist, muss dieses zusätzlich abgeschlossen werden. Trotzdem ist es für den Verbraucher natürlich grundsätzlich schön, wenn er seine Lieblingsdienste nutzen kann und sich dabei keine Sorgen ums Datenvolumen machen muss.

Probleme beim Zero-Rating: Netzneutralität

Der wohl größte Kritikpunkt beim Zero-Rating ist der Verstoß gegen die Netzneutralität. Internetanbieter haben nämlich normalerweise nicht das Recht, einem Dienst oder einer Website ein Privileg – also quasi ein Sonderrecht – einräumen zu dürfen. Dies ist aber der Fall, denn ein Vorteil bei der Nutzung von Netflix oder Pokémon Go macht sich immer besser (unter anderem beim Marketing). Dazu kommt, dass sich die Riesen der Branche durch Zero-Rating einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und andere sogar benachteiligen können.

Hat der Nutzer auch Nachteile?

Ein weiteres Problem ist, dass die Provider glaubhaft für ein niedrigeres Datenvolumen argumentieren können. Durch den Einsatz von Zero-Rating schrumpft der Bedarf an gebuchtem Volumen (schließlich ist dann die Verwendung einiger Dienste "kostenlos"). Das stimmt so auch. Doch, so könnte man sagen, wird dem Nutzer auch ein Stück Entscheidungsfreiheit genommen. Vielleicht ist man gar nicht so viel auf Facebook unterwegs, sondern nutzt eher "zahlungspflichtige" (auf das Datenvolumen bezogen) Plattformen, die nicht durch eine Flat abgedeckt sind. Durch Zero-Rating nehmen die Anbieter dem Nutzer die Entscheidung, wie er seine Kapazität einsetzen soll und verschaffen in diesem Beispiel Facebook einen Vorteil.

Ist Zero-Rating verboten?

Der Einsatz von Zero-Rating variiert von Land zu Land. In Slowenien oder den Niederlanden konnte bereits ein Verbot durchgesetzt werden, dafür haben die Provider das monatliche Volumen erhöht. Die Mehrheit wird dafür sein, denn so kann der Nutzer selbst entscheiden, wie er seine Internetressourcen investieren möchte. Hierzulande ist die Lage noch nicht abschließend rechtlich geklärt.

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